Künstlersozialabgabe – die große Unbekannte

Wenn man Unternehmen, Institutionen, Gemeinden oder Vereine nach der Künstlersozialabgabe fragt, dann erhält man meistens nur ein ratloses Schulterzucken zur Antwort.

Wer künstlerische oder publizistische Leistungen von beispielsweise selbständigen Designern, Grafikern, Textern oder Fotografen für seine werblichen Aktivitäten verwendet ist ein so genannter Verwerter und muss eine Abgabe an die Künstlersozialkasse leisten. Bemessungsgrundlage sind das an den selbständigen Künstler oder Publizisten bezahlte Honorar und die Nebenkosten (ausgenommen Reisekosten).

Das Problem, die meisten Verwerter wissen nichts von ihrer Abgabepflicht!

Die gravierenden Folgen der Tatsache, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, bekommen in letzter Zeit aber immer mehr unwissentlich abgabepflichtige Unternehmen zu spüren. Die Künstlersozialkasse sucht in Zeiten leerer Kassen verstärkt systematisch nach abgabepflichtigen Betrieben und Einrichtungen. Wer sich, auch aus Unwissenheit, nicht selbst bei der KSK meldet, riskiert neben eventuell anfallenden Nachzahlungen zudem noch ein Bußgeld.

Die Künstlersozialabgabe habe ich im Jahr 2004 als einer der ersten Berater in der Werbebranche zum Thema gemacht und viel Unverständnis dafür geerntet.

Die Künstlersozialabgabe wollte lange Zeit einfach kein Unternehmer ernst nehmen!

Vielfach habe ich bei meinen Gesprächen über dieses Thema in ungläubige Augen geschaut. Warum soll ein Maschinenbauunternehmer, der so auf den ersten Blick überhaupt gar nichts mit Künstlern zu tun hat, eine Künstlersozialabgabe bezahlen? Wer jedoch die Hintergründe kennt, der kann vielleicht etwas Verständnis dafür aufbringen.

Aber egal ob bei einem Abgabepflichtigen das Verständnis vorhanden ist, oder nicht – Fakt ist erst einmal die Abgabepflicht für unzählige Unternehmen, die von einer Künstlersozialabgabe noch nie etwas gehört haben. Und besser sie wissen jetzt, was auf sie zukommen kann, können unter Umständen entsprechende Rückstellungen und Rücklagen für diese Zahlungen bilden, als wenn eines Tages die Damen und Herren der Künstlersozialversicherung unangemeldet bei ihnen im Büro stehen.

Ausführliche Informationen zum Thema Künstlersozialabgabe erhalten Sie in meinem WhitePaper im WerbeCheck-Shop.

Hier für Sie die Key-Facts:

  • Das Künstlersozialversicherungsgesetz trat am 01.01.1983 in Kraft.
  • Die Künstlersozialkasse finanziert Künstlern und Publizisten 50% ihrer Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge.
  • Die Künstlersozialkasse finanziert sich aus einem Bundeszuschuss und aus Pflichtabgaben der so genannten Verwerter.
  • Verwerter im Sinne der Künstlersozialkasse sind Firmen, Institutionen, Verbände, Vereine und Gemeinden, die regelmäßig die Dienste von Künstlern und Publizisten in Anspruch nehmen.
  • Wer freie Mitarbeiter im künstlerischen, gestalterischen oder publizistischen Bereich regelmäßig beauftragt, ist abgabepflichtig.
  • „Regelmäßig“ ist in diesem Zusammenhang sehr eng gefasst. Einmal im Jahr bedeutet schon eine Regelmäßigkeit.
  • „Künstler und Publizisten“ ist in diesem Zusammenhang sehr weit gefasst. Selbst die vorbereitende Planung einer Werbemaßnahme durch einen Werbeberater stellt schon eine abgabepflichtige Tätigkeit dar.
  • Auch für Tätigkeiten von Künstlern und Publizisten, die dieser Tätigkeit nur gelegentlich oder nebenberuflich nachgehen, müssen Abgaben bezahlt werden.
  • Die Abgabepflicht besteht unabhängig davon, ob der Künstler oder Publizist selbst nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) versichert ist.
  • Es besteht für Sie mit Firmensitz in Deutschland bezüglich der Abgabepflicht kein Unterschied, wo der Künstler oder Publizist seinen Wohnsitz hat. Wenn Sie beispielsweise für ein Fotoshooting einen Fotografen mit Wohnsitz im Ausland beauftragen, müssen Sie auch auf das ihm bezahlte Honorar in Deutschland Künstlersozialabgaben leisten.
  • Der Abgabesatz errechnet sich für jedes Jahr aus den eingehenden Beträgen der Verwerter und den zu leistenden Zahlungen der Künstlersozialkasse neu. Er wird bis zum 30.09. eines jeden Jahres für das nachfolgende Jahr durch die Künstlersozialabgabe-Verordnung festgesetzt.
  • Der Abgabesatz für das Jahr 2011: 3,9%
  • Der Abgabesatz für das Jahr 2012: 3,9%
  • Der Abgabesatz für das Jahr 2013: 4,1%
  • Zur Bemessungsgrundlage der zu leistenden Abgaben gehören alle an den Künstler oder Publizisten bezahlten Entgelte wie Gagen, Honorare, Ausfallhonorare für nicht verwertete Leistungen, Nebenkosten wie Material und nichtkünstlerische Nebenleistungen, sowie auch alle Auslagen wie Telefon- oder Frachtkosten.
  • Nicht zur Bemessungsgrundlage gehören Reisekosten und die so genannte „Übungsleiterpauschale“, die öffentlich-rechtliche Institutionen, anerkannte gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Einrichtungen an nebenberuflich tätige Ausbilder, Übungsleiter, Chorleiter und Dirigenten bezahlen.
  • Als Gesellschafter oder geschäftsführender Gesellschafter einer im künstlerischen oder publizistischen Bereich tätigen juristischen Person, gehören auch Ihre Gewinnanteile und Vergütungen zur Bemessungsgrundlage!
  • Auch die an Moderatoren und Künstler bezahlten Honorare für Auftritte im Rahmen von Firmenveranstaltungen sind abgabepflichtig, sofern es sich nicht um eine private firmeninterne Veranstaltung handelt, zu der Dritte keinen Zugang haben.
  • Der Einsatz von selbständigen Künstlern und Publizisten muss ordnungsgemäß dokumentiert werden, was einen nicht unerheblichen zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeutet.
  • Die Anmeldung als Verwerter bei der Künstlersozialkasse muss selbständig erfolgen. Wer der Meldepflicht nicht nachkommt kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro belegt werden.
  • Bei einer nachträglichen Feststellung der Abgabepflicht werden für die letzten fünf Jahre Abgaben fällig.
  • Zur Vereinfachung der Errechnung der fälligen Abgaben und der Aufzeichnungspflicht gibt es für einige Wirtschaftsbereiche so genannte Ausgleichsvereinigungen (AV). Im Bedarfsfall können auch neue Ausgleichsvereinigungen gegründet werden.
  • Zum 15.06.2007 trat die dritte Novelle des KSV-Gesetzes in Kraft. Wichtigste Änderung für Verwerter: Nun übernimmt die Deutsche Rentenversicherung die Prüfung der Künstlersozialabgabe bei den Arbeitgebern. Bisher wurde diese Aufgabe von der Künstlersozialkasse wahrgenommen. Es ist dadurch mit einer weiteren Verschärfung der Kontrollen zu rechnen.

Dies ist keine rechts- oder steuerberaterische Leistung, sondern eine journalistische Aufarbeitung des Themas. Bei konkreten Fragen zu Ihrer eventuellen Abgabepflicht kontaktieren Sie bitte einen Rechtsanwalt oder Steuerberater. Der Autor übernimmt keine Haftung für die oben getroffenen Aussagen und Informationen.

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

28. November 2012 von Andreas Frank
Kategorien: Basiswissen | Kommentare deaktiviert für Künstlersozialabgabe – die große Unbekannte