So kalkulieren Agenturen und Freelancer (4/7)

Freiberufler sollten nicht weniger berechnen!

Vielfach wird angenommen, dass der Stundensatz eines kreativen Einzelkämpfers deutlich niedriger ausfallen kann, als in einer Agentur.

Ein für den Freiberufler gefährlicher Trugschluss!

Selbstverständlich sind Kosten für Miete und Infrastruktur niedriger, aber der freiberufliche Grafiker oder Datenbankprogrammierer kann auch nur seine eigene Arbeitsleistung berechnen. Die Fehlzeiten sollten etwas großzügiger bedacht werden. In einer Agentur kann ein Kollege unerwartete Ausfälle kompensieren. Ein Freiberufler aber stellt während einer Krankheit keine Rechnungen. Bei einem Kostenapparat von 6.000 € und einer maximal zu berechnenden Stundenzahl von 100 im Monat ergibt sich in etwa der identische Stundensatz, wie ihn auch eine Agentur ansetzen muss. Dass es aber häufige Praxis ist, dass Freiberufler sechs oder sieben Tage die Woche arbeiten um über die Runden zu kommen, führt die Musterberechnung des Stundensatzes nicht ad absurdum. Vielmehr ist es ein Zeichen dafür, dass gerade Freiberufler sich zu wenig mit der Thematik beschäftigen, was sie denn für ihre Arbeitsleistung berechnen müssen und sich zu günstig verkaufen.

Wenn man nun wie WerbeCeck® die Agenturrechnungen in der Praxis untersucht, ist es kein Wunder, dass bei berechneten Stundensätzen von 40 oder 50 € zahlreiche Kreative leider permanent am Existenzlimit agieren.

Ein auch häufig vorgetragenes Argument von Agenturen und Freiberuflern ist, dass der Markt keine besseren Honorare hergibt und man auf Grund der Konkurrenzsituation zu niedrigen Preisen gezwungen ist. Das mag natürlich stimmen, nutzt aber dem eigenen Kontostand wenig. Man wird es immer wieder mit Wettbewerbern zu tun haben, die mit Dumpingpreisen in den Markt drängen. Auch werden ein hauptberuflich tätiger Freiberufler oder eine Agentur niemals preislich mit dem Studenten mithalten können, der seine Dienste als Webdesigner nebenher für 20 € die Stunde anbietet. Nicht selten ist es wirtschaftlich sinnvoll, auf einen Auftrag zu verzichten und sich auf die Kunden zu konzentrieren, die bereit sind ein angemessenes Honorar zu bezahlen.

 

Teil 1: So kalkulieren Agenturen und Freelancer (29.11.2012)
Teil 2: Die Basis für jede Kalkulation ist der eigene Stundensatz (30.11.2012)
Teil 3: Stundensatz einer vierköpfigen Agentur (05.12.2012)
Teil 4: Freiberufler sollten nicht weniger berechnen! (06.12.2012)
Teil 5: Wie viele Stunden für welches Projekt berechnen? (07.12.2012)
Teil 6: Honoraraufschläge für Nutzungsart, Nutzungsgebiet und Nutzungsdauer (10.12.2012)
Teil 7: Verhandlungen selbstsicher und professionell führen (11.12.2012)

Wie viel kostet Werbung und wie kalkulieren Werbeagenturen und Freelancer?

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

06. Dezember 2012 von Andreas Frank
Kategorien: Basiswissen | Kommentare deaktiviert für So kalkulieren Agenturen und Freelancer (4/7)