So kalkulieren Agenturen und Freelancer (5/7)

Wie viele Stunden für welches Projekt berechnen

Der Stundensatz alleine macht noch keine Projektkalkulation. Kann man den Stundensatz noch aus den Buchhaltungsdaten errechnen, so basiert der Faktor Aufwand auf vielen persönlichen Gegebenheiten. Der eine Grafiker benötigt für ein neues Unternehmenslogo 20, der andere 30 Stunden und für das Shop-Template hat ein Webdesigner je nach kreativer Phase auch mal die doppelte Zeit seines Mitbewerbers oder Kollegen aufzuwenden. Eine Abrechnung auf Basis der tatsächlich benötigten Stunden ist jedoch kaum durchzusetzen. Gefragt sind fest vereinbarte Preise für konkrete Leistungen. Hier liegt die Gefahr, dass der Kreative selbst bei der Durchsetzung eines marktgerechten Stundensatzes bei einem Auftrag nicht auf seine Kosten kommt, wenn er entweder nicht die notwendige Stundenzahl berechnen kann, oder aber bedeutend mehr Zeitaufwand für ein Projekt hat, als ursprünglich angenommen. Die nachträgliche Verhandlung über ein höheres Honorar ist selten erfolgreich. Vor allem dann nicht, wenn es von Kundenseite keine wesentliche Aufwandserhöhung gab.

„Fehler in der Aufwandseinschätzung sind jedoch eher selten“, so Andreas Frank, der in den vergangenen vierzehn Jahren stapelweise Kalkulationen von Werbeagenturen und Freiberuflern durchforstet hat. Agenturen und Freiberufler haben ein ganz gutes Gespür dafür, für welche Aufgabe sie wie lange brauchen. Nur sehr selten läuft ein Projekt zeitlich komplett aus dem Ruder und dann ist diese drastische Erhöhung der aufzuwendenden Stunden meist durch den Auftraggeber verursacht. Wichtig ist daher für jeden Auftragnehmer, dass er das Projekt schon im Angebot sehr detailliert beschreibt. Leider lassen Kreative oftmals eine gewisse Sorgfaltspflicht vermissen und schreiben keine Auftragsbestätigungen. Diese müssen nochmals den konkret verhandelten Umfang beschreiben. Auch ist es von Vorteile für Kreative, wenn sie Instrumente aus der IT-Branche übernehmen, wo es die Gegenüberstellung von Pflichten- und Lastenhefte gibt. Nur so hat man eine Chance, den vom Kunden verursachten Mehraufwand berechnen zu können. Wer als Frischling anfängt und noch wenige Erfahrungswerte bezüglich des Zeitaufwandes hat, der kann sich der bekannten Nachschlagewerke bedienen, in denen Projekte mit den notwendigen Stundenzahlen vorgestellt werden. Für Designer gibt es beispielsweise von der AGD den „Vergütungstarifvertrag“ und für die Werbebranche von WerbeCheck den jährlich aktualisierten „Rotstift – Wie viel kostet Werbung“. Solche Nachschlagewerke sind zudem für alle ein gutes Hilfsmittel, um einmal seine eigenen Kalkulationen mit denen der Mitbewerber zu vergleichen. Wobei immer berücksichtigt werden muss, dass der eigene Stundensatz in Verbindung mit der persönlichen Aufwandseinschätzung Priorität haben muss.

 

 

Teil 1: So kalkulieren Agenturen und Freelancer (29.11.2012)
Teil 2: Die Basis für jede Kalkulation ist der eigene Stundensatz (30.11.2012)
Teil 3: Stundensatz einer vierköpfigen Agentur (05.12.2012)
Teil 4: Freiberufler sollten nicht weniger berechnen! (06.12.2012)
Teil 5: Wie viele Stunden für welches Projekt berechnen? (07.12.2012)
Teil 6: Honoraraufschläge für Nutzungsart, Nutzungsgebiet und Nutzungsdauer (10.12.2012)
Teil 7: Verhandlungen selbstsicher und professionell führen (11.12.2012)

Wie viel kostet Werbung und wie kalkulieren Werbeagenturen und Freelancer?

Die Antworten erhalten Sie im „Rotstift“. Seit über 15 Jahren untersucht WerbeCheck die Honorare und Produktionskosten in der Werbebranche.

Haben Sie Fragen zum ROTSTIFT? Dann lesen Sie bitte hier meine Antworten zu den meist gestellten Fragen.

Mit dem Gutschein-Code „pixeltalk“ erhalten Sie im WerbeCheck-Shop 10€ Rabatt auf den Rotstift-Download.

VN:F [1.9.22_1171]
Bitte bewerten Sie diesen Beitrag:
Rating: 5.0/5 (14 votes cast)
So kalkulieren Agenturen und Freelancer (5/7), 5.0 out of 5 based on 14 ratings

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

07. Dezember 2012 von Andreas Frank
Kategorien: Basiswissen | Kommentare deaktiviert für So kalkulieren Agenturen und Freelancer (5/7)