So kalkulieren Agenturen und Freelancer (6/7)

Honoraraufschläge für Nutzungsart, Nutzungsgebiet und Nutzungsdauer

Vielfach reiben sich Auftraggeber verwundert die Augen, wenn Ihnen ein Grafiker oder Designer ein zusätzliches Honorar für die Nutzungsrechte im Angebot ausweist. Zu Unrecht. Denn es ist sehr wohl ein Unterschied in der Entlohnung, ob eine Anzeige nur regional für kurze Dauer oder bundesweit über einen längeren Zeitraum benutzt wird. Bei einer regionalen Nutzung wird das Honorar um den Faktor 0,1 erhöht. Dies kann sich um den Faktor 0,3 für die nationale Nutzung auf bis zu 0,8 steigern, wenn die Agenturleistung weltweit genutzt wird. Auch die unterschiedliche Nutzungsdauer führt zu einer höheren Honorarforderung für eine identische Leistung. Bei einem Jahr um den Faktor 0,2 und bei unbegrenzter Nutzungsdauer um 0,8.

Ob aber fachlich gerechtfertigt oder nicht, dieser Kalkulationspunkt lässt sich nur sehr selten bei der Auftragsverhandlung durchsetzen. Die wenigsten Kunden sind bereit, einen Aufschlag auf die Logogestaltung zu akzeptieren, nur weil das Logo langfristig verwendet wird. Ihrer Meinung nach ist mit dem Grundhonorar alles abgegolten. Wenn die Agentur in der Stundensatzkalkulation alle Faktoren berücksichtigt hat, auch den Punkt Gewinnerwartung, dann kann sie den Punkt Nutzungsrechte als Rabattaktion einsetzen. Jeder Einkäufer erwartet Nachlässe. Mit einer niedrigeren Berechnung der Nutzungsrechte oder gar dem Wegfall nimmt man dem Verhandlungspartner auf elegante Art den Wind aus den Segeln, am Grundpreis zu streichen. Und auch hier gilt, sollte der potentielle Auftraggeber nicht bereit sein, die kreative Leistung wirtschaftlich sinnvoll zu würdigen, dann muss eben der Verhandlungstisch ohne Auftrag verlassen werden. Ein Auftrag, bei dem die Agentur oder der Freiberufler Geld mitbringt, statt es zu verdienen, ist es nicht wert bearbeitet zu werden. Und sollte ein Auftrag aus strategischen Gründen zu Akquisezwecken unter Preis angenommen werden, dann darf nicht außer acht gelassen werden, dass man bei Folgeaufträgen selten ein höheres Honorar erzielen wird!

 

 

 

Teil 1: So kalkulieren Agenturen und Freelancer (29.11.2012)
Teil 2: Die Basis für jede Kalkulation ist der eigene Stundensatz (30.11.2012)
Teil 3: Stundensatz einer vierköpfigen Agentur (05.12.2012)
Teil 4: Freiberufler sollten nicht weniger berechnen! (06.12.2012)
Teil 5: Wie viele Stunden für welches Projekt berechnen? (07.12.2012)
Teil 6: Honoraraufschläge für Nutzungsart, Nutzungsgebiet und Nutzungsdauer (10.12.2012)
Teil 7: Verhandlungen selbstsicher und professionell führen (11.12.2012)

Wie viel kostet Werbung und wie kalkulieren Werbeagenturen und Freelancer?

Die Antworten erhalten Sie im „Rotstift“. Seit über 15 Jahren untersucht WerbeCheck die Honorare und Produktionskosten in der Werbebranche.

Haben Sie Fragen zum ROTSTIFT? Dann lesen Sie bitte hier meine Antworten zu den meist gestellten Fragen.

Mit dem Gutschein-Code „pixeltalk“ erhalten Sie im WerbeCheck-Shop 10€ Rabatt auf den Rotstift-Download.

VN:F [1.9.22_1171]
Bitte bewerten Sie diesen Beitrag:
Rating: 5.0/5 (14 votes cast)
So kalkulieren Agenturen und Freelancer (6/7), 5.0 out of 5 based on 14 ratings

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

10. Dezember 2012 von Andreas Frank
Kategorien: Basiswissen | Kommentare deaktiviert für So kalkulieren Agenturen und Freelancer (6/7)