Crowdinvesting für den Mittelstand: bankless24.de

Mehr als 99% aller Unternehmen in Deutschland sind Klein- und mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz bis 50 Millionen Euro. Damit repräsentieren die KMU mehr als 3 Mio. Unternehmen, die fast 40% des Umsatzes aller Unternehmen erzielen und etwa 60% aller Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigen.

Gerade die besonders innovativen Unternehmen stehen oftmals vor großen Herausforderungen, wenn es um die Finanzierung eines schnellen Wachstums geht.

Die Finanzierung über den klassischen Bankkredit ist häufig nicht gewünscht, oder auch nicht möglich. Diese Problematik hat in der nahen Vergangenheit zu einem Umdenken geführt und gerade Startups im Bereich Internet greiefn auf das noch junge Finanzierungsinstrument Crowdinvesting zurück.

Mit der bankless24 GmbH ist nun eine Plattform angetreten, um diese Finanzierung über den sogenannten Schwarm auch mittelständischen Unternehmen zu ermöglichen.

Auf bankless24.de können mittelständische Unternehmen Genussrechte emittieren und interessierte Anleger bereits ab 100 Euro in den Mittelstand investieren. Dem Mittelstand wird mit dieser Plattform eine Alternative zu den klassischen Finanzierungsinstrumenten erschlossen und Anlegern bietet sich die Möglichkeit in den Mittelstand zu investieren.

 

Der Geschäftsführer Dirk Littig war so freundlich und hat im Gespräch mit Pixeltalk weitere Details zu bankless24.de erörtert:

Crowdinvesting-Plattformen entstehen derzeit nahezu im Wochenrhythmus. Schwerpunkte Startups mit digitalen Geschäftsmodellen. Sie bearbeiten mit bankless24.de den Bereich Mittelstand. Wie kamen Sie darauf, sich hier zu engagieren?

Das liegt ganz wesentlich daran, dass mein bisheriges Berufsleben sich ausschließlich um den Mittelstand gedreht hat. Deshalb ist auch der Ansatz, eine Anlage- bzw. Finanzierungsplattform für den Mittelstand zu schaffen, schon ziemlich alt. In meinen früheren Tätigkeiten im Banken- und Private Equity Bereich hat mich immer wieder die Frage umgetrieben, wieso eigentlich niemand kapitalmarktähnliche Alternativen unterhalb eines Finanzierungsbedarfs von 20 – 25 Mio. Euro anbietet. Immerhin tragen die sogenannten KMU an die 40% zur Wirtschaftsleistung in unserem Land bei und beschäftigen ca. die Hälfte aller Arbeitnehmer. Für diese Unternehmen wollen wir mit bankless24 eine Finanzierungsalternative schaffen – gleichzeitig schaffen wir hier für Anleger – die natürlich auch Mittelständler sein können und sollen – eine neue Anlageklasse, die so bisher nicht investierbar war. Hier tun sich für beide Seiten große Möglichkeiten auf.

Crowdinvesting und Crowdfunding sind im Grunde Kinder des Internetzeitalters. Ist es da mit mehr Aufwand verbunden, die eher klassischen Unternehmen und Unternehmer für ein Funding auf Ihrer Plattform zu gewinnen?

Sicher ist es richtig, das junge Unternehmen, oft mit internetbasierten Geschäftsmodellen, eine wesentlich höhere Affinität zu Crowdinvesting bzw. Crowdfunding haben als klassische Mittelstandsunternehmen. Das ändert aber nichts an der Sinnhaftigkeit dieser neuen Finanzierungsform für den Mittelstand. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht an der weit verbreiteten Bankenschelte beteiligen, aber wir spüren sehr stark, dass der Mittelstand in der Breite nach alternativen Finanzierungswegen sucht. Wir waren sogar eher überrascht, wie viele Unternehmen mit Finanzierungsanfragen auf uns zu kommen. Darunter sind sehr spannende, vielfach hoch innovative Unternehmen.

Ein Finanzierungsgespräch bei einer Bank läuft diskret ab. Hat da ein Mittelständler nicht Hemmungen, seinen Finanzbedarf publik zu machen?

Auch das ist ein Punkt, an dem derzeit in vielen Unternehmen sicher ein Umdenken stattfindet. Ich erinnere mich gut an meine Anfangszeit bei der Bank. Damals war man als Firmenkundenbetreuer oft damit konfrontiert, dass man beim Jahresgespräch die Bilanz zwar einsehen, aber nicht mitnehmen durfte. Da hat sich – auch bei Bankfinanzierungen – in den letzten Jahren viel verändert. Auch die allgemeinen Veröffentlichungspflichten sind deutlich verschärft worden. Hinzu kommt, dass in vielen Unternehmen ein Generationenwechsel stattgefunden hat oder gerade stattfindet. Mit der neuen Generation kommt dann auch vielfach eine neue Sichtweise hinsichtlich Transparenzanforderungen ins Unternehmen. Letztlich setzt sich meist die Erkenntnis durch, dass Transparenz einfach eine notwendige Bedingung für die Verbreiterung der Finanzierungsbasis und die Verringerung der Bankenabhängigkeit ist.

Aktuell ist das vierte Projekt in der Fundingphase. Wie sind Sie mit den bisherigen Fundings und den Rückmeldungen zufrieden?

Unsere ersten beiden Finanzierungsprojekte konnten wir erfolgreich abschließen, die Projekte 3 und 4 sind derzeit noch in der Zeichnungsphase. Das Crowdinvesting insgesamt und vor allem das Crowdinvesting in den Mittelstand ist noch ein sehr junger Markt, in dem es für Plattformbetreiber ganz wesentlich darauf ankommt, ausreichend Bekanntheit zu erreichen. Wir sind mit den Anfängen bisher sehr zufrieden und arbeiten intensiv daran, unsere Plattform auf der Anlegerseite auf breitere Füße zu stellen. Dazu gehört auch eine Mittelstandsinitiative mit der wir mittelständische Unternehmen verstärkt auch als Anleger gewinnen möchten – „Mittelstand finanziert Mittelstand“. Hier haben wir bereits erste Veranstaltungen bei IHK’s durchgeführt und treffen auf eine sehr positive Resonanz.

Auf bankless24.de weisen Sie die Fidor-Bank als Partner aus. Was darf man unter dieser Partnerschaft verstehen? Lediglich ein Partner für den Zahlungsverkehr oder ist das für die Fidor-Bank der Einstieg in den Themenkomplex Crowfunding / Crowdinvesting?

Mit der Fidor Bank verbindet uns eine sehr freundschaftliche Kooperation. In erster Linie deckt diese Kooperation die jeweilige Führung von Treuhandkonten sowie das Processing der Zahlungsströme ab. bankless24 hat zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf Anlegergelder. Darüber hinaus beinhaltet diese Kooperation natürlich auch den Aspekt, dass bankless24 für die Fidor Bank ein Partnerangebot in ihrem Crowdfinance Segment ist. Für die Frage, inwieweit die Fidor Bank sich zukünftig darüber hinaus im Segment Crowdfinance engagieren will, bin ich vielleicht nicht ganz der richtige Ansprechpartner.

Vielfach wird Unternehmen unterstellt, dass sie auf die Crowd zurückgreifen, weil klassische Finanzierungen nicht möglich sind. Im Bereich Internetstartups ist das auf Grund verschiedener Regularien zur Kreditvergabe nicht einmal falsch. Gibt es diese Vorbehalte auch für Ihre Zielgruppe?

Diese Vorbehalte begegnen uns durchaus auch. Allerdings gehen diese Vorbehalte meist ein wenig am Thema vorbei. Finanzierungsanlass ist für viele mittelständische Unternehmen ihr geplantes Wachstum. Diese Unternehmen sind oft bereits in der Vergangenheit stark gewachsen, das gesamte Vermögen des Unternehmers steckt in der Firma, das Eigenkapital kann mit dem Unternehmenswachstum nicht Schritt halten. Konsequenz ist – auch bei sehr guter Rentabilität – dass die Eigenkapitalquote sinkt und damit automatisch aufgrund des sich verschlechternden Ratings auch die Kreditaufnahmemöglichkeiten an Grenzen stoßen. Wir haben es also in aller Regel nicht mit Unternehmen zu tun, die nicht kreditwürdig sind, sondern mit Unternehmen, deren Eigenkapital gestärkt werden muss, damit sie weiter wachsen können. Problem ist also nicht das Finanzierungsvolumen, sondern die Finanzierungsstruktur.

Genau das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass wir unser Finanzierungsinstrument, das Genussrecht, so ausgestaltet haben, dass es in der Bilanz des Unternehmens die Eigenkapitalposition stärkt.

Anlagen sind ab 100 € möglich. Bei der Ausrichtung Ihrer Plattform hätte ich mir auch gut eine etwas höhere Mindestanlagesumme vorstellen können. Denken Sie nicht, dass es keine entscheidende Rolle spielt, ob man 100, 250 oder 500 Euro einsetzen muss und mit einer höheren Mindesteinlage schneller das Fundinglimit erreicht werden kann?

Bei der Festlegung der Mindestanlagesumme war es uns wichtig, die Hürde für Anleger in unserem noch neuen Markt sehr niedrig zu setzen. Unsere Anlegerzielgruppe ist – ähnlich wie die mittelständischen Unternehmen – nicht ganz so internetaffin, wie das die Nutzer der Startup-Plattformen sind. Deshalb ist es von großer Bedeutung, den Anlegern die Möglichkeit zu geben, zunächst mit geringen Beträgen diese neue Anlageform auszuprobieren. Darüber hinaus wollen wir auch Kleinanleger nicht von der Teilnahme an Investitionschancen in den Mittelstand ausschließen.

Die Erfahrung aus den ersten Fundings zeigt bisher, dass durchaus einige Anleger im ersten Projekt mit 100 Euro eingestiegen sind und sich dann bei weiteren Projekten mit größeren Beträgen engagiert haben.

Gibt es schon einen Ausblick, welche spannenden Projekte und Unternehmen in der nahen Zukunft aufbankless24.de an den Start gehen?

Ich kann soviel sagen: Wir haben eine sehr interessante Pipeline an spannenden Finanzierungsprojekten. Die Bandbreite ist enorm – vom online-geprägten Handelsunternehmen über Energieversorger bis hin zum hoch innovativen Medizintechnikunternehmen. Auch hinsichtlich der Finanzierungsbeträge darf man sehr gespannt sein, was im Laufe des Sommers noch auf bankless24.de passiert. Es lohnt sich, sich zu registrieren und in den Newsletterverteiler einzutragen!

 

Crowdinvesting für den Mittelstand – ein interessanter Ansatz. Nicht nur als Finanzierungsoption für Unternehmen. Auch für Anleger eröffnet diese Plattform ein großes Spektrum an zusätzlichen Möglichkeiten, wenn man nicht nur in gehypte Internetstartups investieren möchte.

Mit Spannung und freudiger Neugierde wird Pixeltalk die Entwicklung verfolgen und darüber berichten.

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

06. Juni 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Crowdinvesting | Kommentare deaktiviert für Crowdinvesting für den Mittelstand: bankless24.de