Die Crowdfundingplattform der VR-NetWorld GmbH

„Viele schaffen mehr“, unter diesem Motto ist die Crowdfunding-Plattform der VR-NetWorld GmbH in Bonn gestartet.

Mit der Volksbank in Bühl ging es vor wenigen Tagen los, Pixeltalk hat darüber berichtet.

Welche Intention führte zum Start der Crowdfundingplattform, was versprechen sich die Volks- und Raiffeisenbanken von einem Engagement in diesem Bereich und welche weitere Bank steht bereits in den Startlöchern?

Boris Janek, Manager Digital Business und Innovation bei der VR-NetWorld GmbH in Bonn stellte sich den Fragen von Pixeltalk:

Was war die Initialzündung, eine Crowdfunding-Plattform für die Volksbanken und Raiffeisenbanken anzubieten?

Die Idee ist eigentlich schon vor mehreren Jahren entstanden.

Wir beobachteten Entwicklungen in anderen Ländern vor allem in den USA. Später haben uns die ersten deutschen Plattformen, vor allem startnext elektrisiert.

In vielen Diskussionen haben wir die Nähe der crowdfunding Idee zur Genossenschaftsidee als Möglichkeit herausgearbeitet, die Mehrwerte der genossenschaftlichen Bankengruppe zu digitalisieren.

An der Entwicklung der Idee waren mehrere Personen und Parteien beteiligt, die gar nicht einmal alle aus der VR – NetWorld kamen.

 

Ist Ihrer Meinung nach Crowdfunding ein eher kurzlebiges und auf gewisse Branchen bezogenes Phänomen, oder entwickelt sich hier ein nachhaltiges Finanzierungsinstrument, bei dem die Banken umgangen werden?

Ist eine eigene Plattform dahingehend kalkuliert, auch ein Stück vom Kuchen abzubekommen?

Wir denken und hoffen, dass es sich um ein langfristiges Phänomen handelt. Das ist heute aber schwer abzusehen. Aktuell ist es allenfalls eine Ergänzung zum Angebot der Banken. Aber die Entwicklung in anderen Ländern zeigt, dass sich crowdfinance durchaus zu einem nachhaltigen Finanzierungsinstrument entwickeln könnte.

Wir müssen hier aber noch weiter abwarten und beobachten. Das Instrument wird erwachsen werden. Natürlich wird es auch Rückschläge, wie z.B. gescheiterte Projekte und Totalausfällen bei Investoren geben. Wir hoffen natürlich nicht, dass Banken dauerhaft umgangen werden.

Wenn Banken zukünftig weiter eine relevante Rolle spielen möchten, dann müssen sie sich verändern und sich auch den Herausforderungen von außen stellen. Vielleicht wäre crowdinvesting ein nächster logischer Schritt. Wir haben hier aber keine konkreten Planungen. Jede Volksbank Raiffeisenbank muss selber entscheiden, ob sie über das reine crowdfunding hinaus gehen möchte. Die Technologie ist da.

 

Was verspricht sich eine VR-Bank, wenn sie in ihrer Region die Möglichkeit eines Crowdfundings anbietet?

Die Digitalisierung des Mehrwertes Region und Kundennähe steht hier im Mittelpunkt.

Die Bank zeigt, dass sie mehr ist als eine gewöhnliche Bank. Sie liefert eine Plattform und investiert Geld, um gemeinsam mit den Bürgern regionale Verantwortung zu übernehmen und damit das Leben der Menschen vor Ort lebenswerter zu machen. Sie fördert das Prinzip der Selbstorganisation und Subsidarität und erreicht dadurch natürlich auch einen enormen Marketing- und Reputationseffekt.

Eine regionale crowdfunding Plattform ist mehr Wert als jede google Kampagne oder Facebook Aktivität. Social Media trifft Finance.

 

Böse Stimmen sagen, damit kann sich eine Bank elegant der Startups entledigen, die sie selbst nicht finanzieren möchte oder darf.

Können aber denn über die Plattformen Startups nach einer Startfinanzierung suchen, oder sind die Angebote auf rein soziale und gesellschaftliche Projekte beschränkt?

Das ist nicht das Ziel der Plattform.

Wie gesagt: Es geht jetzt erst einmal um soziale und gesellschaftliche Projekte. Wenn es mal um Unternehmen gehen sollte, dann kann es aber auch regionale Unternehmensgründungen gehen, die nicht dem typischen start up entsprechen. Dieses Land braucht ja nicht nur coole und Technologie orientierte Neugründungen. Gerade in der Region ließe sich so manche – eher bodenständigere – Idee fördern, für welche sich auf den übergeordneten Plattformen kein Raum findet.

Eine solche crowdinvesting Plattform könnte aber auch die Gründung von Genossenschaften fördern oder sogar in Humankapital investieren. Da gäbe es viele Möglichkeiten. Einige davon habe ich in meinem Artikel: crowdfunding als genossenschaftliches Prinzip im Buch Next Generation Finance zu skizzieren versucht. Aktuell ist crowdinvesting jedoch wie gesagt noch kein Thema.

 

Die VR Bank in Bühl macht den Anfang. Wie groß ist das Interesse im Verbund, stehen weitere Banken in den Startlöchern?

Ein zweites Pilotprojekt ist bereits gestartet. Nach den Sommerferien in Nordrhein Westfalen wird eine zweite Bank starten.

Es gibt einige Anfragen von anderen Banken. Viele erkennen die Möglichkeiten. Allerdings entstehen ja auch Kosten und unsere Banken befinden sich gerade in einem starken – durch das Internet angestoßenen – Veränderungsprozess, gerade in diesem Jahr haben sie deshalb viele interne Aufgaben zu lösen, weshalb wir ab dem vierten Quartal dieses Jahres bzw. mit Beginn des nächsten Jahres mit einer Reihe von weiteren Banken rechnen.

 

Crowdfunding ist in der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt. Ihr Vorstoß wird der gesamten Branche sehr helfen, die Begrifflichkeiten und die Abläufe bekannt zu machen. Haben sich denn ihre Wettbewerber schon bei Ihnen dafür bedankt?

Leider nein. Unsere Plattform ist jedoch in Kooperation mit startnext und der T-Systems entstanden. Startnext hat natürlich die Chancen für die Branche erkannt. Und auch die anderen beobachten die Aktivitäten mit Wohlwollen und sicherlich auch mit Skepsis. Viele glauben ja auch, dass crowdfunding nicht zu den normalen Banken passt.

Meiner Meinung nach kann die Nische aber nur verlassen werden, wenn mindestens eine der etablierten Banken auch einsteigt. Auf der anderen Seite wissen auch wir nicht ob und wie gut unsere Initiative funktioniert. Wir müssen jetzt erst einmal Erfahrungen sammeln und uns weiter entwickeln.

 

Herzlichen Dank an Boris Janek für seine Antworten.

Mehr von Boris Janek können Sie auch in seinem Blog Finance 2.0 lesen.

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

27. Juni 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Crowdinvesting | Kommentare deaktiviert für Die Crowdfundingplattform der VR-NetWorld GmbH