Augen auf beim Zimmerkauf: mit discavo.de das richtige Hotel zum besten Preis

Hart umkämpft, aber dennoch immer wieder Neugründungen anziehend – das ist der Online-Reisemarkt. Verständlich, denn noch ist hier viel Umsatzpotential drin. Je nachdem, welcher Studie man glauben schenken mag, werden bisher erst zwei bis sieben Prozent des gesamten Reisemarktes über Buchungen im Netz abgeschöpft. Im Bereich Geschäftsreisen ist die Zahl zwar signifikant höher, aber egal, auch hier ist noch richtig Musik drin. Insgesamt wird der Umsatz im stationäre Reisevertrieb nur eine Richtung kennen – nach unten. Da nicht weniger gereist wird, ist der Umkehrschluß klar, onlinegestützter Vertrieb von Reiseleistungen nimmt zu und zu und zu. Auch ein kurzes Zwischenhoch, wie letztes Jahr nach den zahlreichen negativen Berichten um die Unister-Gruppe, als die Branchenbibel FVW stolz verkündete, die stationären Reisebüros verspürten einen Umsatzaufwind, ändert daran nichts.

Schnell aufgezogen* ist eine Reiseseite, die selbst keinen echten Content erarbeiten muss und die ihre Besucher nur auf die eigentlichen Buchungsportale durchschleust um von den Provisionen zu leben.

(* Ja ja, schnell ist relativ. Aber mit allerlei Modulen aus den diversen Baukästen und Programmierer-Schubladen und den manigfaltig verfügbaren Anbindungen an verschiedenste Buchungspartner, benötigen solche Seiten nur ganz wenige Manntage, bis sie online sind.)

Fehlt halt noch der berühmte USP. Mit welchem Argument soll man die potentiellen Kunden auf die Seite bringen, wenn man nicht mehr als das zu bieten hat, was hundert andere Seiten auch schon haben?

Keine Sorge, es geht auch ohne USP.

Brachiale Medienpräsenz hilft. Oder man kann es auch schöner formulieren: Akzeptanz durch Penetranz.

Das lernt man als Werber schon in der ersten Agenturwoche, damit bringt man eigentlich jede Sau zum Quietschen.

Epic Companies, der Inkubator der ProSiebenSat.1-Sendergruppe, ist nun mit dem Hotelvergleichsportal discavo.de am Start.

USP? Mit dynamischen Karten vom Umfeld des Hotels und zahlreichen Filteroptionen soll sich das Portal von den Wettbewerbern absetzen.

Gähn. Dynamische Karten? Hat gefühlt jede zweite Seite. Bei themeforest und Konsorten bekomme ich für 55 US$ WordPress-Themes, die das auch können. Und vielen Unkenrufen zum Trotz, sie können es teilweise richtig gut. Nächster Punkt: Filteroptionen. Wonach kann ich filtern? Hotelklassifizierung? Ausstattung? Lage? Preis? Zimmerkategorien? Wow! Dass dies aber schon seit dem letzten Jahrtausend Standard ist, das sollte man schon mitbekommen haben.

Die Macher von discavo versprechen sich auch viel vom Machtwort des Kartellamtes. Bestpreisklauseln in der Hotelbranche sind nun ausdrücklich untersagt. Adrian Graf, einer der Macher von discavo, verspricht sich nach Aussagen auf Deutsche-Startups.de davon, dass es „jetzt (…) neue Spielregeln und wahre Preisvergleiche (gibt).”. Auf Twitter wird zum Start passend dazu gemeldet „Mit uns findest Du das richtige Hotel zum besten Preis.

Ja, der beste Preis wäre ein echter USP. Aber mal ehrlich, das ist doch kein Versprechen, an das die Macher ernsthaft glauben. discavo bucht selbst keine Leistungen, discavo kauft selbst keine Kontingente ein – discavo ist abhängig von der Preiswürdigkeit seiner Buchungspartner. Und warum sollten booking.com oder Expedia für Kunden, die via discavo eingesammelt werden, günstigere Preise bieten, als für die eigenen Kunden, oder für die Kunden von anderen Affiliate-Kooperationen? Bliebe noch die Möglichkeit, dass discavo einen Teil seiner Provision an die Kunden zurückvergütet, um günstiger als die Wettbewerber zu sein. otel.com agiert beispielsweise in diese Richtung. Das bedeutet aber immer noch nicht, dass man sicher den besten Preis anbieten kann. Mir wäre die Werbeaussage „zum besten Preis“ rechtlich zu gewagt. Und als Wettbewerber würde ich vor einer Abmahnung in einem Telefonat von Kollege zu Kollege höflich um Unterlassung bitten.

OK, man muss nicht groß drumrum reden, das Produkt ist beliebig, nicht neu, austauschbar. Halt noch eine weitere Seite, auf der ich mein Reiseziel und das Datum eingebe, entsprechende Hotels angezeigt bekomme, auswähle und dann zur Buchung weitergeleitet werde.

Das wahre vermeintliche Druckmittel versteckt sich in dieser Aussage:„die Sendergruppe soll für die notwendige Reichweite sorgen“. Womit wir wieder bei der Akzeptanz durch Penetranz wären. Ja, wir pflastern alle Werbeinseln, die wir bei den Agenturen und ihren Kunden nicht losgeworden sind, voll mit discavo-Spots. Und da Couchcommerce nicht aufzuhalten ist, wird uns das viele viele Besucher und Buchungsprovisionen bringen.

Gegen dieses Vorgehen ist nichts einzuwenden. Nicht besonders aufregend, nichts Neues und auch nichts, wo man sagt, hui, coole Sache. Für mich klingt das nicht nach einem Erfolg. Aber klar, es kann funktionieren. Werfe ich hundert Pfeile, dann kann auch mal einer ins Ziel gehen.

Mir fehlt bei solchen Projekten jedoch der Pfiff, das Originäre, das Besondere, die herausragend kreative Leistung, das Überraschende, der Hirnschmalz.

Wenn aber schon mit viel Wirbel an Banalitäten gearbeitet wird, dann bitte handwerklich sauber und ordentlich. Und da hat mich discavo bitter enttäuscht:

Es gibt so ein paar Städte, in denen ich mich einfach wohlfühle, wo ich auch als kurzzeitiger Gast heimatliche Gefühle spüre. Rio de Janeiro und Singapore gehören beispielsweise dazu. Dort habe ich zusammengerechnet Monate verbracht, da kenne ich mich besser aus als in Köln oder Berlin. Und da ich gerne auch mal in sieben Tage vier oder fünf Hotels ausprobiere, habe ich in vielen Städten ein leidliches Wissen über die Hotelszene.

Brasilien ist leider die letzten Jahre sehr teuer geworden. Die Ankündigung von discavo nahm ich zum Anlass, mal zu prüfen, ob die Preisspinnerei noch immer anhält und suchte nach dem Copacabana Palace in Rio.

Wenn auch Sie einmal in dieses wirklich äußerst zu empfehlende Hotel möchten, lassen Sie sich nicht von den Bildern auf discavo abschrecken. Dort wird das um Klassen schlechtere Windsor Excelsior angezeigt. Es ist auch nicht zutreffend, dass eines der besten Hotels in Südamerika keinen Pool hat. Und was für einen – eine Oase der Ruhe und Geborgenheit. In dieser Eigenschaft meinem Erfahrungsschatz nach nur noch übertroffen vom Pool des Taj Mahal Palace in Mumbai.

Beim Caesar Park Ipanema ist der Dachpool mit seiner Bar ein signifikantes Entscheidungsmerkmal. Bei den Ausstattungsicons steht aber, kein Pool verfügbar. Quatsch! Und auch wenn das Hotel nun kein Mitglied mehr in der Leading Hotel-Gruppierung ist, das ist noch immer ein 5*-Haus; angezeigt werden 4.

Zwei Hotels in Rio habe ich mir auf der Seite angeschaut, beide Hotelbeschreibungen sind schlicht falsch.

OK, kann passieren, eventuell wurden die Daten eben mit einer gewissen Lässigkeit herübergespült und vielleicht war ja auch etwas Caipirinha im Spiel. Dann schauen wir doch mal nach Asien. In Singapore geht es korrekt zu, da werden die passenden Daten geliefert. Pustekuchen:

 

Wie soll ich einer Seite meinen Buchungswunsch anvertrauen, wenn ich bei den mir bekannten Hotels sofort gravierende Fehler finde? Buche ich auf discavo ein mir unbekanntes Hotel, erlebe ich dann vor Ort eine böse Überraschung?

Nein liebe Macher, so ist das noch nichts. Das Datenchaos ist enorm. Das kann nur bedeuten, zurück an die Werkbank.

ImFernsehspot sagt discavo „Das falsche Hotel ist schnell gebucht“. Allerdings! Vor allem dann, wenn ich als Kunde vor der Buchung mit falschen Informationen versorgt werde.

Wo liegt denn das Problem? Hunderte andere Reiseseiten übernehmen die Daten der diversen Anbieter ohne diese Fehler. discavo leitet die Interessenten zur Buchung auf booking.com, expedia.de oder weg.de – dort sind die korrekten Informationen verfügbar. Auch konnte ich dort beispielsweise das Taj Mahal Palace in Mumbai buchen, auf discavo wird es nicht einmal angezeigt.

 

Adrian Graf von discavo war so freundlich und hat sich die Zeit genommen, um mir ein paar Fragen zu beantworten:

Pixeltalk: Wie kommen diese fehlerhaften Daten auf die discavo-Seiten und ist schon abzusehen, bis wann der Kunde sich darauf verlassen kann, dass die angezeigten Hoteldetails korrekt sind?

Adrian Graf: Der Link zur Webseite und der Content des jeweiligen Hotels haben technisch nichts miteinander zu tun. Der Link sollte in allen Fällen zum richtigen Hotel führen. Jedoch beziehen wir die Hotelbeschreibungen sowie auch Hotelbilder von verschiedenen Partnerunternehmen. So wie es auch andere Preisvergleiche tun. Hintergrund hier ist, dass der Content von Online Travel Agencies nicht weitergegeben wird, sie ihn also gern nur für sich benutzen wollen. Die Schwierigkeit liegt nun darin, alle Daten, die aus verschiedenen Quellen kommen zu matchen, heisst auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. In den meisten Fällen, und für die wichtigsten Destinationen, ist dies bereits geschehen. Nur dauert es leider seine Zeit dies auf der ganzen Welt ebenso glattzuziehen. Als Resultat kann es in Destinationen, die von unseren Kunden bisher noch nicht nachgefragt, bzw. wenig nachgefragt werden, dazu kommen, dass vereinzelt noch Unstimmigkeiten bei Beschreibung und Fotos auftreten. Hier haben unsere Mitbewerber einen zeitlichen Vorsprung im Glattziehen, jedoch arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass dies schon in kurzer Zeit nicht mehr auftritt.

Pixeltalk: Wie verfahren Sie, wenn ein Kunde auf Grund der fehlerhaften Informationen mit seiner Buchung unzufrieden ist?

Adrian Graf: Bisher hatten wir noch keinen Fall. Sollte so ein Fall in der Zukunft auftreten, arbeiten wir mit unserem Partnerunternehmen eng zusammen, bei dem die Fehlbuchung eingegangen ist, um für jeden einzelnen Kunden eine angenehme Lösung zu finden. War ja dann klar unsere Schuld, für die wir auch einstehen.

Schönen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Ich bin jedoch sehr skeptisch, ob es überhaupt möglich ist, die Daten flächendeckend zu überprüfen und zu korrigieren, wenn diese nicht verifiziert von zuverlässigen Quellen bezogen werden können. Bei zigtausenden Hotels die Beschreibungen, Fotos und Merkmale zu recherchieren und gegenzuprüfen, dies auch noch auf einem rechtlich sicheren Weg – das ist eine Sisyphosarbeit. Dazu kommen noch die täglichen Änderungen.

Mal ganz banal gefragt, wie möchte discavo darauf kommen, dass statt den Fotos vom Copacabana Palace die vom Windsor Excelsior gezeigt werden? Per Zufall? Das mag mal vorkommen, sei es durch die Kenntnis eines Mitarbeiters, oder durch die Rückmeldung eines Hotels oder eines Kunden – auf alle Angebote gesehen sind diese korrigierenden Mechanismen sehr unwahrscheinlich.

Dem Team von discavo wünsche ich, dass sie ihre Daten schnell in Griff bekommen und dass discavo – bei all meiner Skepsis – ein großer Erfolg wird!

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

10. Januar 2014 von Andreas Frank
Kategorien: eCommerce, Startups | Kommentare deaktiviert für Augen auf beim Zimmerkauf: mit discavo.de das richtige Hotel zum besten Preis