Blinkist zum Dritten

Nachtrag / 03. Juni 2013:

Eine Person mit dem Pseudonym „Petra Panther“ vertritt auf Deutsche-Startups.de die Meinung, dass meine freie Meinungsäußerung und die Kritik über das Blinkist-Geschäftsmodell „Schmäkritik“, „üble Nachrede“ und „Unterstellung einer Straftat“ sei.

Die Vehemenz, mit der diese Person postet, läßt mich vermuten, dass sie direkt aus dem Umfeld des Startups oder des Investors kommt. Warum man dann nicht – so wie ich – mit seinem echten Namen die Diskussion führen kann, ist mir unverständlich. Nun forderte sie heute den Betreiber der Seite auf, alle ihre und meine Postings zu löschen.

Alexander Hüsing von Deutsche-Startups.de kommentierte dieses Ansinnen: „Wir werden auf gar keinen Fall pauschal alle Kommentare löschen. An welcher Stelle wird hier Blinkist einer Straftat bezichtigt?“

Liebe „Petra Panther“, es ist mein gutes Recht zu kritisieren, wenn ein Unternehmen die geistigen Leistungen eines Autors für sein Geschäftsmodell nutzt, diesen aber nicht um Erlaubis fragt und ihn nicht am Erfolg beteiligt.

Wenn Sie oder Ihre Freunde anderer Meinung sind, dann bleibt es Ihnen überlassen, den Rechtsweg einzuschlagen. Dieser steht in Deutschland zum Glück jedem offen. Dies ist ebenso gesetzlich geregelt, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung!

Und nochmals meine Verwunderung, warum man ein im Grunde interessantes Startup nicht von Beginn an auf faire Beine stellt! Dass dies funktioniert, beweist seit Jahren das Original. Oder verläßt sich hier eine Gründertruppe auf die Macht der großen Rechtsabteilung eines Investors mit viel Geld?

Interessant auch, dass genau diese „Petra Panther“ einen Bericht über das Startup „Barzahlen“ auf Deutsche-Startups.de am 29. August 2012 mit den Worten „Perfekte Art, um mit schwarzem barem Geld auch online shoppen zu können!“ kommentierte und damit im Grunde – wenn man ihre Maßstäbe ansetzt – dem Team um den Investor Carsten Maschmeyer unterstellte, dass sie mit ihrer Plattform illegalen Geldfluß unterstützen.

Ja liebe „Petra Panther“, wer auch immer sich hinter diesem Pseudonym verstecken muss, die Wände in Ihrem eigenen Glashaus sind sehr eng gestellt!

 

Ab hier der ursprüngliche Blogbeitrag:

Da Blinkist.com heute wieder auf Deutsche-Startups.de erwähnt wurde, hier nochmals meine Einwände gegen dieses Geschäftsmodell:

Blinkist.com und das Problem mit den Urheberrechten
vom 19. Februar 2013

Nicht alles was Recht ist, ist auch rechtens
vom 25. Februar 2013

Als Autor und Publizist wehre ich mich nicht dagegen, dass Bücher für Leser mit wenig Zeit in komprimierter Form verkauft werden.

Ich wehre mich aber ganz entschieden dagegen, dass genau diejenigen in dem Blinkist-Geschäftsmodell leer ausgehen, die die zu verkaufenden Werke ursprünglich erschaffen haben – die Autoren.

Blinkist verspricht seinen Kunden, dass diese mit den käuflich zu erwerbenden Zusammenfassungen alle wesentlichen Inhalte eines Buches bekommen. Dies ist deren eigene Werbeaussage! Aber eine Beteiligung der Autoren war zu Beginn laut deren Website und den Pressemeldungen und Berichten zum Start nicht vorgesehen. Im Gegenteil, Blinkist betrachtete seine Zusammenfassungen als eigene geistige Werke, für die sie den ursprünglichen Autoren kein Honorar zahlen müssen und verteidigte diese Meinung auch gegen Kritik, wie zum Beispiel von meiner Seite aus.

Aber was sind denn die „wesentlichen Inhalte“, aus was besteht denn ein Buch? Aus durch eigene Recherchen gewonnenen Fakten, neuen Ansätzen und bisher nicht veröffentlichten Ideen.

Der Urheber eines solchen Buches ist alleinig der Autor!

Ihm alleine steht es zu, darüber zu entscheiden, wer seine geistige Leistung verkaufen darf, wie und wo seine Arbeit verwertet und veröffentlicht wird.

Blinkist.de wirft das geistige Eigentum der Autoren oder Verlage (der Rechteinhaber!) in einen Mixer, kürzt dieses drastisch herunter und verkauft es dann als eigene Leistung. Welch ein Hohn!

Aber nein liebe Blinkist-Macher, was Ihr verkauft, das ist nicht Eure eigene geistige Leistung. Das ist zusammengeklaut zusammenkopiert. Nichts eigenes. Keinerlei Schöpfungstiefe. Hättet Ihr eigene Ideen, eigene Ansätze, eigene Theorien – dann würde das zu neuen Büchern führen, nicht aber zu Zusammenfassungen.

Und ja, liebe Blinkist-Macher, es kann sein, dass Eure Zusammenfassungen für den Autor eventuell nützlich sein können. Aber es hat immer noch der Rechteinhaber selbst zu entscheiden, ob er Euch als Marketingintrument nutzen möchte, oder nicht. Ihr könnt es uns Autoren vorschlagen – und wir wägen dann ab und sagen Ja oder Nein. Es ist nicht Euer Recht, diese Entscheidung für uns zu treffen!

Immerhin gehen die Aussagen der Blinkister in der Zwischenzeit in die Richtung, dass sie mit den Autoren und Verlagen eine Lösung finden möchten.

Aha, das klang zu Beginn noch ganz anders.

Hat sich da die große Rechtsabteilung des Investors etwa nochmals Gedanken darüber gemacht, wem wohl welche Ehre gebührt, wer wohl wie von den Erlösen profitieren sollte und dass die Mißachtung der Autorenrechte das eigene Investment gefährden könnte? Da haben wohl nicht zuletzt auch Beiträge wie die hier auf Pixeltalk.de zu einem Nachdenken angeregt.

Nochmals der Hinweis: Bücher komprimiert verkaufen geht auch fair, rechtlich sauber und wirtschaftlich erfolgreich. getAbstract.com macht dies seit Jahren vor.

So lange, wie sich Blinkist.com nicht offen und vor allem deutlich zu den Urheberrechten der Autoren bekennt und für jede Veröffentlichung eine saubere rechtliche Vereinbarung trifft, so lange werde ich nicht müde, das Blinkist-Modell zu kritisieren und gleichzeitig auf das Original getAbstract zu verweisen. Ganz egal, wie groß auch immer die Rechtsabteilung von Telekoms hub:raum sein mag.

Die Freude an der Arbeit, die nur aus kopieren und der Nutzung von Arbeitsleistungen Dritter besteht, kann ich nicht nachvollziehen.

Aber es spiegelt den Widerspruch unserer Gesellschaft wider, wo jeder für seine Arbeit möglichst viel bekommen möchte, aber gleichzeitig nicht bereit ist, die Leistung anderer zu respektieren und zu honorieren. Massenweise illegale Downloads, Raubkopien, Nutzung fremder Fotos und und und, sowie die Glorifizierung von Internetunternehmen, die sich nur als Copycats verdingen, sprechen Bände.

Deshalb möchte ich hier noch aus meinem Blogbeitrag vom 25. Februar 2013 zitieren:

„Wie kann man denn guten Gewissens morgens in den Spiegel schauen, wenn man sich eingestehen muss “ich schaffe nichts, ich kopiere nur und der Erschaffer der von mir genutzten Inhalte geht durch ein juristisches Schlupfloch leer aus”? Kann man da stolz auf seine ganz persönliche Arbeitsleistung sein? Oder wird ein eventuell vorhandenes schlechtes Gewissen durch den Blick auf den Kontostand weggewischt?

Wer als Konsument auch in Zukunft von der kreativen Schaffenskraft Dritter profitieren möchte, der muss diese in der Gegenwart respektieren!

Abschreiben, kopieren, umformulieren – das alles schaft nichts wirklich Neues!

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

29. Mai 2013 von Andreas Frank
Kategorien: eCommerce, Startups | Kommentare deaktiviert für Blinkist zum Dritten