Media Markt & Redcoon – Mißachtung unter Geschwistern

Allgemeines Wachstum im Onlinehandel, allgemeiner Rückgang im stationären Handel. Da hat die Metro die letzten Jahre mit ihren Sorgenkindern Media Markt und Saturn ja nicht so sehr viel Freude. Trotz mehrere Anläufe unter Einbindung großer, teurer aber eben nicht onlineerfahrener Unternehmensberatungskonzerne, die Metro-Beteiligungen funktionieren im Netz einfach nicht. Um im Bereich eCommerce nicht ganz den Anschluss zu verlieren, wurde dann 2011 mit Redcoon.de einer der größten Onlineshops für Unterhaltungselektronik aufgekauft.

Für brachiale Werbung ist Media Markt bekannt. Jahrelang haben sie uns potentiellen Kunden vermitteln wollen, dass man im Media Markt zum günstigsten Preis kauft und schön blöd wäre, einen anderen Händler ins Vertrauen zu ziehen. In Zeiten von Preissuchmaschinen kann solch eine Strategie selbst mit einem millionenschweren und auf „Akzeptanz durch Penetranz“ ausgerichteten Mediaplan nicht mehr funktionieren. Da hilft es auch nicht, dass meiner Meinung nach mit Störsendern in den Märkten verhindert werden soll, dass die Kunden vor Ort per Smartphone die Preise der Wettbewerber prüfen.

Media Markt bestreitet die Verwendung solcher Technik. Klar, würde ja auch gegen geltende Gesetze verstoßen. Seltsamerweise jedoch hat man auf einmal in den von mir besuchten Media Märkten in Ellwangen und Crailsheim kein Netz mehr. Es soll mir kein Verantwortlicher erklären, dass dies an den Netzbetreibern liegt! Denn selbst zu D-Netz-Urzeiten vor über fünfzehn Jahren konnte ich mit meinem Nokia Communicator problemlos im Internet surfen – was damals eben die Bandbreite so hergab. Und bauliche Veränderungen mit neuer Dämmung etc. – Fehlanzeige.

Als nun überraschend am Wochenende unser toller Elektronik-Schrott Marken-Fernseher auf Grund einer sicherlich von Samsung sorgfältig geplanten Obsoleszenz nach gerade einmal dreieinhalbjähriger Nutzung den Geist aufgab, stand also der Besuch des Media Marktes vor Ort an. Bei Amazon hatten wir schon ein Wunschgerät ausgesucht. Allerdings beschlossen wir, dass wir bei einer Preisdifferenz von unter 50€ gleich vor Ort kaufen und nicht im Internet bestellen. Zumal Media Markt sehr deutlich damit wirbt, dass sie täglich ihre Preise mit denen der Onlinehändler vergleichen und anpassen. Man kann da ja im Grunde als Käufer nichts falsch machen …

Der Entscheidungsprozeß war schnell abegschlossen. Gerät A oder B. Kurz überlegt, entschieden. Den Verkäufer fragte ich dann noch, ob das der beste verfügbare Preis sei. Kurzer Blick von ihm auf sein Terminal und dann die Antwort „Ja, der Preis ist ok“. Na gut, das wird ja stimmen – ab an die Kasse. Zurück im Büro brauchte ich dann etwa 30 Sekunden um festzustellen, dass es das identische Gerät bei Redcoon.de inklusive Versand für elf Euro weniger gab. Elf Euro sind nun nicht die Welt, aber auf Grund des Werbeversprechens und der Aussage des Verkäufers hätte ich nicht erwartet, dass es das Gerät bei der Media Markt-Schwester günstiger gibt.

Elf Euro hin oder her – so etwas ist für mich eine Prinzipsache! Deshalb habe ich auch den Media Markt per Fax und via Facebook darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich hinters Licht geführt fühle. Es war kaum zu erwarten, dass mehr als nur von der Marketingabteilung wohlfein ausformulierte Standardantworten aus dem Word-Textbausteinkasten kommen. Interessant fand ich aber die Aussage, dass Media Markt nur „relevante Wettbewerber“ bei der Preisuntersuchung berücksichtigt. Honi soit qui mal y pense. Auf die weiteren Tricksereien mit Idealo und den für Media Markt angepassten Typenbezeichnungen möchte ich gar nicht näher eingehen – das Netz ist voll davon.

Da legt die Metro also kolportiert viele hunderte Millionen auf den Tisch um Redcoon.de zu übernehmen und der alteingesessene Media Markt straft seine jüngere Schwester mit Mißachtung. Das kann ja beim nächsten Familientreffen heiter werden. Zumal sich die Eltern, sprich Eigentümer, sowieso nicht besonders gut verstehen und sich via Handelsblatt, Manager Magazin, Wirtschaftswoche & Co. immer schön einen auf den Deckel geben.

Um es ganz klar zu sagen: Ich möchte auch weiterhin einen Media Markt vor Ort haben. Aber bitteschön liebe Metro, gebt mir nicht permanent das Gefühl, dass ich ein Opfer Eurer wirren Werbestrategie bin. Seid einfach ehrlich, stellt Euren USP der sofortigen Warenverfügbarkeit vor Ort hervor und hört mit Versprechen auf, die Ihr nicht halten wollt könnt. Ich verspreche Euch dafür, dass ich auch weiterhin immer wieder mal bei Euch einkaufe.

Via Facebook kamen nur Larifari-Antworten. Die Marktleitung in Ellwangen hingegen schickte mir nach etwa einer Stunde eine eMail, dass ich in Kürze per Post einen Warengutschein über die elf Euro bekomme. Schönen Dank dafür! Die elf Euro habe ich an Tasso e.V. gespendet, dort sind sie gut aufgehoben.

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

26. Februar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: eCommerce | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Ärgerlich wen man so manipuliert wird! So eine ähnliche Erfahrung hatte ich auch, bei Ihnen gab es ein happy end zumindest für die Tieren von Tasso e.v