Rückgaberecht bei digitalen Gütern gefordert

Hallelujah, wer schützt uns Medienschaffenden vor Politikern wie Hessens Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich (CDU)?

Im Vorfeld der vom 15. bis 17. Mai in Bad Nauheim stattfindenden Verbraucherschutzministerkonferenz äußerte Frau Puttrich den Wunsch, dass zukünftig auch für digitale Güter ein Rückgaberecht eingeräumt werden muss.

“Ein Rücksenderecht gibt es für jedes Kleidungsstück, eine App muss ich aber behalten, sobald ich sie heruntergeladen habe – ob sie mir gefällt oder nicht”, sagte Puttrich.

Lucia Puttrich hat das Thema am Beispiel mobiler Apps in den Raum geworfen. Digitale Güter sind jedoch weitaus mehr, als nur Apps. Sollte sich das Ansinnen der Erweiterung des Rückgaberechts durchsetzen, dann sind beispielsweise auch eBooks davon betroffen.

Prima Sache, ich kann jetzt schon ein Lied vom Missbrauch bei digitalen Güter singen.

Liebe Frau Puttrich, Sie haben ein paar Semester Jura studiert, dann BWL und sich anschließend beruflich um einen Handwerksbetrieb gekümmert? Über ein Bürgermeisteramt ging es dann in die Landespolitik. Alles prima und ehrenwert. Nur sind Sie mit diesem Werdegang offensichtlich zu weit weg von dem Wirtschaftszweig der Kreativen, um verstehen zu können, welche Auswirkungen Ihre Idee auf diese hat.

Die Missbrauchsquote bei physikalischen Waren ist schon enorm und selbst bei einem ganz offensichtlichen Betrug sind dem Onlinehändler weitgehend die Hände gebunden. Das Recht schützt viel mehr den Dieb, den Verbrecher, den Betrüger und nicht die Produzenten und die Verkäufer.

Sollte dieses Rückgabrecht nun auch bei digitalen Gütern eingeführt werden, der Missbrauch wird uferlos werden!

In welcher Form sollte sich denn ein eBook-Autor davor schützen, dass sich der Käufer nach dem Lesen nicht sein Geld zurück holt? Über DRM? Da wird dann auch wieder von allen Seiten dagegen geschrien und geschrieben. Zumal sich die Konsumenten und Produzenten in der Zwischenzeit doch weitgehend einig sind, dass wir keine allzugroßen Regelemtierungen der rechtmäßig erworbenen digitalen Gütern durch allerlei Kopierschutzmechanismen haben möchten.

Sollte das Rückgaberecht für digitale Güter kommen, dann ist das in etwa so, als ob mich der Gesetzgeber dazu zwingt, das Geschäftsmodell der Blumenhändler am Straßenrand anzunehmen, wo nach dem Treu-und-Glauben-Prinzip ein paar Münzen in die unbeaufsichtigte Kasse geworfen werden.

Leider ist es ganz und gar nicht so, dass lediglich ein paar Wenige der Versuchung erliegen, sich im Internet Leistungen und Waren zu erschleichen!

Was aber der Frau Ministerin herzlich egal sein dürfte. Ihr Amt heißt ja auch Verbraucherschutz- und nicht Produzentenschutzministerin.

Ein ewig währendes Hoch auf den Konsumenten, ein paar Produzenten werden schon überleben …

Jetzt warte ich nur noch darauf, dass sich dieser Sache die mit ihrem Amt intellektuell komplett überforderte redlich auseinandersetzende Ilse Aigner annimmt.

 

Nachtrag, 17. Mai 2013:

Die Ministerkonferenz hat es beschlossen, das Rückgaberecht für Apps kommt. Eventuell auch für alle digitale Güter. Die ersten Meldungen sind noch sehr ungenau formuliert. Mehr dazu hier im aktuellen Blogbeitrag.

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

07. Mai 2013 von Andreas Frank
Kategorien: eCommerce, Zwischenruf | Kommentare deaktiviert für Rückgaberecht bei digitalen Gütern gefordert