Startups im Gespräch: Mornin‘ Glory

 

Der Blick auf das Regal mit den Rasierklingen kann einem im Supermarkt regelmäßig die Tränen in die Augen treiben. Vier, fünf Euro für eine Klinge? Ja, bei den neuesten Modellen von Gillette und Wilkinson ist das die harte Realität.

Dies zu ändern, war das Ziel vom Dollar Shave Club in den USA. Qualitativ hochwertige Klingen zu einem fairen Preis, gepaart mit Abo-Commerce und fertig ist ein Geschäftsmodell.

Große Bekanntheit erlangte das Startup durch sein spaßiges Video auch in Deutschland. Sollten Sie es noch nicht kennen, dann schauen Sie es sich unbedingt an – es ist gleich auf deren Startseite zu finden.

Zu hohe Preise für Rasierklingen ist aber nicht nur ein Thema auf dem amerikanischen Markt. Immerhin gehören Rasierklingen angeblich weltweit zu den am meist geklauten Produkten und nicht selten werden sie in Supermärkten hinter Glas aufbewahrt.

In Deutschland sind bisher im Wesentlichen zwei Startups aktiv dabei, diesen Markt zu bearbeiten.

Shave-Lab aus München setzt auf edles Ambiente. Der Shop, die Verpackung, das Rasiererdesign – alles fein gemacht. Für mich persönlich jedoch nur Brimborium.

Dass ich zu meiner Bestellung eine Clubkarte bekomme, die nicht einmal personalisiert ist und einen Rabatt ausweist, den ich in dieser Höhe auch über die üblichen Portale und Blogs finde, geschenkt. Dass der Karton klasse aussieht, geschenkt.

Was wirklich zählt, das sind doch zwei Dinge: die Qualität der Klingen und der Preis. Da ist es mir herzlich gleichgültig, dass meine Klingen in Seidenpapier eingewickelt sind. Ob es über den Style funktioniert, ein im Grunde lästiges und uninteressantes Produkt so in den Fokus zu stellen, dass sich daraus eine wiederkehrende Stammkundschaft entwickelt? Die Macher von Shave-Lab werden eine Strategie haben, klar. Ob sie aufgeht, das wird sich zeigen. Erfolg wünsche ich ihnen – wie allen, die etwas auf die Beine stellen und etwas bewegen wollen.

Das Team von Mornin‘ Glory geht einen anderen, einen direkten Weg. Die Seite ist übersichtlich, schlicht und funktionell gestaltet. Die Kundenansprache witzig und direkt.

Was möchtes Du? Ordentliche Rasierklingen zu einem fairen Preis ohne Streß jeden Monat nach Hause geliefert? Dann schau mal: Zwei Klingen zur Auswahl – möchtest Du davon zwei oder vier im  Monat? Zack – hier bestellen.

So ist in meinen Worten der gefühlte der Ablauf im Mornin‘ Glory-Shop und so gefällt es mir. Schörkellos. Ich habe doch keine große Lust, mich mit dem Thema zu beschäftigen und mich in irgendwelchen Rasierer-Designwelten zu verlieren. Dafür habe ich andere Seiten im Netz, wo ich stundenlang die schönen Dinge dieser Welt betrachten kann.

Rasierklingen sind ein Milliardengeschäft. Und Abo-Commerce im Internet ist nicht zuletzt durch Projekte wie GlossyBox in aller Munde.

Eine gute Ausgangsposition für Shave-Lab und Mornin‘ Glory, hier sich ein paar Stücke vom großen Kuchen zu sichern.

 

Nicolas Stoetter von Mornin‘ Glory war so freundlich und hat ein paar Fragen zum Thema für Pixeltalk beantwortet:

Das erste halbe Jahr Mornin‘ Glory ist bald um, Sie sind in einem höchst interessanten Marktsegment unterwegs, wie zufrieden sind Sie mit den Abonnentenzahlen?

Wir sind happy. Es wird noch eine Weile dauern, bis man uns in einem Pie Chart mit den Marktanteilen neben Gillette findet, aber wir bereiten uns lieber schon mal auf ihre Anwälte vor.

In Deutschland dürfte den wenigsten Konsumenten die Bedeutung von „Mornin‘ Glory“ bekannt sein und eher mit „ein toller neuer Tag beginnt“ assoziiert werden. Bestehen jedoch nicht gewisse Namensprobleme bei der weiteren Expansion in englischsprachige Länder?

Für mich schließen sich die doppelte Bedeutung von Mornin‘ Glory und „ein toller neuer Tag beginnt“ ehrlich gesagt nicht aus … Ernsthaft: Wir haben diesen unkonventionellen Namen bewusst gewählt – auch im Hinblick auf unsere aggressiven Internationalisierungspläne. Wir sind bereits heute der einzige Player, der den gesamten europäischen Markt zum selben Preispunkt beliefern kann. Die meisten verstehen unseren Humor. Probleme sehe ich da allenfalls im Vatikan.

Mornin‘ Glory punktet nach Meinung vieler in der Netzgemeinde durch die lockere und etwas flapsige Art der Kommunikation. Kann solch Ausrichtung dauerhaft funktionieren?

Ich glaube, das ist bei uns wie mit flapsigen Personen. Der eine mag sie, der andere nicht. Wenn wir nicht bereits sind, aus der Reihe zu tanzen, brauchen wir es mit Gillette und Wilkinson gar nicht erst aufnehmen, die haben das aalglatte Mainstream-Image ja über Jahrzehnte perfektioniert. Mornin’ Glory macht keinen Hehl daraus, dass Männern nicht immer aussehen wie Adrian Brody und da liegt unsere Chance.

Bisher ist das Angebot lediglich auf Männer ausgerichtet. Wann startet Mornin‘ Glory für Frauen? Dann mit einem auf die Damenwelt ausgerichteten Namen?

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“ sagt meine Freundin dazu. Ich versuche mich lieber erst mal an einer Zielgruppe, von der ich etwas verstehe. Wir halten eine Unisex-Positionierung in diesem Markt für eine verpasste Chance, wirklich auf die Zielgruppe einzugehen. Da bleiben wir stur.

Der Rasierklingenkauf ist meist mit dem Ärger über unverständlich hohe Preise verbunden. Markenhersteller argumentieren diese mit den extrem hohen Entwicklungskosten. Wo sind Ihre Klingen im Vergleich zu denen von Gillette und Wilkinson qualitativ einzuordnen?

Unsere Klingen werden von einem der weltweit größten Herstellern in den USA gefertigt. Entwicklungskosten tragen also auch wir. Nur umgehen wir den Einzelhandel und geben die Vorteile direkt an unsere Kunden weiter. Wir haben damit am Ende des Tages qualitativ vergleichbare Produkte zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Im Internet, z.B. auf gruenderszene.de, wird kolportiert, dass die Mornin‘ Glory-Klingen identisch mit denen der Drogeriemarktkette DM sind. Diese sind durchaus qualitativ hochwertige Klingen, aber worin liegt dann der USP von Mornin‘ Glory? Im Abomodell?

Es gibt weltweit nur eine Handvoll Hersteller qualitativ hochwertiger Rasierklingen. Das führt dazu, dass viele Produkte der meisten Hersteller auch als Handelsmarken erhätlich sind. Nur gibt es bei uns statt Supermarktregalen monatlich den kostenfreien Versand, einen Gratis-Griff und klare Ansagen. Wir glauben, dass Männer genau das wollen: Keinen Stress.

Mit Shave-Lab ist ein weiteres Rasierklingen-Abocommercemodell am Start. Warum sollten sich Ihrer Meinung nach die Kunden für Mornin‘ Glory entscheiden?

Von Shave-Lab unterscheiden wir uns durch die Fokussierung auf die männliche Zielgruppe und das radikal einfache und sehr günstige Abo-Modell. Wir sehen allerdings nicht andere Online-Player als unsere Hauptkonkurrenz, sondern Gillette und Wilkinson, die zusammen gut 80 Prozent Marktanteil halten.

Als Rasierklingenkunde benötige ich auch Rasierschaum. Verwundert war ich bei einer Bestellung bei Shave-Lab, dass keine Warenprobe beilag und dieses Potential an Zusatzumsatz nicht genutzt wird. Sie legen nun solche Proben bei. Gibt es schon Erfahrungswerte durch Zusatzverkäufe, wie dies von den Kunden angenommen wird?

Uns geht es hier aktuell weniger um direktes Upselling, sondern um Mehrwert für unsere Kunden und eine starke Bindung zur Marke Mornin’ Glory. Wir legen also regelmäßig Proben bei, mit denen wir keinen Cent verdienen, so lernen wir, was gut ankommt. Unsere Aktionen reichen da von klassischen Rasurprodukt-Samplings bis hin zu kleinen Überraschungen und handverlesenen Tipps und Tools, wie du zuhause häufiger zum Zug kommst. Alles, was Mann so brauchen kann eben.

Rasierklingen in guter Qualität zu vernünftigen Preisen – ein Megamarkt. Gleichzeitig kann einem oberflächlich betrachtet der Gedanke kommen, dass die Eintrittsbarriere nicht so sehr groß ist. Rasierer und Klingen sind bei Alibaba schnell verfügbar. Selbstverständlich liegt auch bei diesem Geschäftsmodell die Tücke im Detail. Rechnen Sie mit sehr vielen weiteren Wettbewerbern?

Was die Eintrittsbarrieren angeht widerspreche ich natürlich. Warum hat Gillette es geschafft, den Markt in den letzten Jahrzehnten immer weiter zu konsolidieren? Nicht weil man einfach aus Alibaba heraus eine Rasurmarke aufbauen kann. Wir haben lange gebraucht, einen der großen Hersteller für uns zu gewinnen. Das wird nicht jedem gelingen – und schon gar nicht über Nacht. Qualität ist ein Hygienefaktor, ohne den es nicht geht.

Außerdem müssen wir den europäischen Konsumenten erst mal zeigen, dass man für gute Klingen nicht lange im Supermarkt stehen muss, sondern sie einfach und günstig online ordern kann. Jeder Anbieter, der das auch tut, vergrößert den Kuchen für alle – und das zum Vorteil der Verbraucher.

Ein herzliches Dankeschön an Nicolas Stoetter, dass er sich die Zeit für dieses Interview genommen hat. Ich wünsche dem Mornin‘ Glory-Team und natürlich auch Shave-Lab viel Erfolg im Kampf gegen überteuerte Rasierklingen und zahlreiche neue Abonnenten.

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

24. April 2013 von Andreas Frank
Kategorien: eCommerce, Startups | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Hallo. Anfangs war ich von Eurer Geschäftsidee begeistert, „Qualitätsklingen 50% günstiger als der Marktführer“ anzubieten und habe auch sofort bestellt. Doch als vor wenigen Tagen das Päckchen ankam, wich meine Vorfreude der enttäuschenden Erkenntnisse, mal wieder an ein Unternehmen geraten zu sein, welches viel mit markigen Werbeslogans verspricht und umso weniger hält! Lag er doch vor mir, der „Qualitätsrasierer“, nichts weiter als ein umverpackter REWE Genius X5 oder DM Balea Men 5 Discount-Billigrasierer. Nichts war mit „Qualitätsklingen 50% günstiger als der Marktführer“. Statt dessen nur überteuerte Billigware. Hatte ich doch gerade, im Ärger über die unverschämten Preise der Qualitätsrasierer, den REWE Genius X5 getestet und für mich als untauglich in der Schublade verschwinden lassen…
    Auch passten die „Morning Glory Qualitätsklingen“ sofort an den REWE X5 Griff. Am enttäuschendsten jedoch war, das die Werbeaussage „Qualitätsklingen 50% günstiger als der Marktführer“ garnichts mit diesen gelieferten Klingen zu tun hat. Diese Discountklingen lassen sich in Punkto Qualität nicht mit den Klingen der Marktführer vergleichen, es sind Discountklingen! Und über den Preis brauchen wir ja gar nicht reden. Die Morning Glory Klingen kosten 6€ für 2 Stück und 9€ für 4 Klingen. REWE verlangt für 4 Klingen 4,99€. Also ist das 4 Klingen Angebot von Morning Glory fast doppelt so teuer wie die Klingen aus dem REWE! Und im 6€ Angebot kostet eine Klinge ganze 3 Euro (REWE 1,25€)!!! Eine einzelne 5fach Qualitätsklinge eines Marktführers kostet im 4er Set im REWE 2,87€ – wo bitte ist da die versprochene „Qualitätsklinge 50% günstiger als der Marktführer“? Auch kostet der benötigte Griff im Set mit 2 Klingen vom Modell REWE Genius X5 4,99€ im REWE… Ach so, hatte ich ja total vergessen, die Versandkosten, die ja entstehen, aber nicht mitgerechnet werden… Da kostet die Warensendung bei der Post 0,90€. Ich gehe davon aus, das Morning Glory aufgrund hoher Versandmengen weit weniger als 0,90€ für den Versand bezahlt. Wenn ich dagegen die heutigen Benzinpreise sehe, kostet eine Fahrt zum nächsten REWE bestimmt mehr…

    Mein Fazit, Werbung ist alles! Morning Glory versendet aus meiner Sicht statt versprochener Qualität nur Discountware und diese ist bis zu 100 % teurer als identische Supermarktware, ja sogar teurer als Qualitätsprodukte der Marktführer! Aber mal ganz ehrlich, wenn genügend Leute auf Eure Werbung hereinfallen, verstehe ich das mit der „Morning Glory“. 😉

  2. Lieber Sven Manke,

    hoppla, du scheinst ja richtig auf der Palme zu sein. Wir verstehen, dass du dich ärgerst, wenn du Klingen unseres Herstellers schon mal ausprobiert hast und sie sich für dich als untauglich erwiesen haben. Das tut uns natürlich leid.

    Es besteht aber kein Grund an unserer Aufrichtigkeit zu zweifeln. Wie Nico auch im Interview erklärt, gibt es nämlich auf der Welt nur wenige Hersteller für Qualitätsklingen, die ihre Produkte dann oft auch als günstige Handelsmarken anbieten. Daher gibt es die Klingen des gleichen Herstellers z.B. auch bei DM, wo sie als günstige Eigenmarke geführt werden. Das bedeutet aber nicht schlechte Qualität: Unsere Klingen kommen aus den USA und erfüllen hohe Qualitätsstandards – nur bieten wir sie über das Internet eben günstiger an als die meisten es von den Marktführern gewohnt sind.

    Wir vergleichen uns beim Preis und der Qualität mit dem Marktführer und können unseren Kunden da bis zu 50 Prozent Ersparnis anbieten – plus dem Gratis-Griff, dem kostenlosen Versand und der Möglichkeit, dich lebenslang gratis zu rasieren, wenn du deine Freunde einlädst. Etwas mehr Leben in der Bude haben wir zudem auch noch.

    Es tut uns wie gesagt leid, dass du etwas anderes von Mornin‘ Glory erwartet hast. Wir hoffen, auch du findest eines Tages eine gute Alternative zum Supermarkt.

    Viele Grüße,
    Dein Mornin‘ Glory-Team

  3. Das Konzept überzeugt, die Qualität des Produktes entäuscht.

    Die Aufmachung der Website lässt erwarten, eine Klinge zu erhalten, die mindestens das Niveau von Gilette oder Wilkinson erreicht.

    Wenn hier Klingen verkauft werden, die auch in den großen Drogerieketten günstiger erhältlich sind, dann gute Nacht für den Investor….

    Wie wäre es denn mal mit einer echten Innovation, einer eigenen Entwicklung, bei der über den Direktvertrieb günstigere Preise realisiert werden können, vergleiche canyon.de auf dem Fahrarradsektor.

    Preis und Image sind allein nicht ausreichend…..

  4. Leider hält der Rasierer nicht was der Online-Shop verspricht.
    Das Rasieren damit war eine Tortur, die Klingen unscharf und in der Handhabung klobig.
    Es hilft die beste Geschäftsidee nichts wenn das Produkt nicht taugt.