Volks- und Raiffeisenbanken nun mit eigener Crowdfunding-Plattform

Mit digitalen Geschäftsmodellen sind sie meisten Banken überfordert.

Die klassische Finanzierung durch eine Bank ist gerade für Internet-Startups ein schwieriges Unterfangen. Banker denken üblicherweise in Dingen, die sie anfassen können. Maschinen und Gebäuden haben für sie einen Wert, nicht aber digitale Geschäftsmodelle.

Daraus resultiert eine deutliche Abwehrhaltung des Bankers, wenn eine Kreditanfrage aus diesem Themenbereich auf seinen Tisch kommt.

Gerne verstecken sich die Entscheider dann hinter ihren Vorschriften, erklären einem diverse Gesetze, denen sie gerecht werden müssen und legen einem Stapel von Unterlagen über allerlei Regularien vor, die sie bei einer Kreditvergabe beachten müssen. MaRisk, Basel II, SolvV & Co. sind gern genutzte Argumente, wenn eine Bank oftmals einfach keine Ahnung von dem Markt der Gegenwart hat und erst recht nicht von den Märkten der Zukunft. Lieber wird das x-te Reisebüro oder ein Buchladen finanziert, denn hier können für die Kreditvergabe Erfahrungswerte der Vergangenheit und von Mitbewerbern zurate gezogen werden. Dass diese für die Zukunft wenig taugen, kann ein Verantwortlicher aber nur wissen, wenn er sich über die verändernde Marktgegebenheiten seriös, umfassend und fortlaufend informiert.

Sicher, das ganze Instrumentarium der Vorschriften hat seine Berechtigung und ist notwendig. Auf die korrekte und sinnhafte Anwendung kommt es an. Dass es trotz aller Vorschriften auch anders geht, beweisen die mir bekannten Ausnahmen, wo sich ein engagierter und aufgeschlossener Banker zum Beispiel sehr konkret über Internetshops informierte und mit seinem Wissen Bewertungen vornehmen kann, die jeder Kreditrevision standhalten.

Kompetenzen in den Bereichen der digitalen Wirtschaft einzukaufen oder auszubilden können sich aber nur Großbanken leisten. Diese kommen jedoch schon vom Geschäftsmodell her für kleinere Existenzgründer als Partner kaum in Frage. Wenn Sie versuchen möchten, Ihr Startup oder Internetprojekt über eine Bank zu finanzieren, dann ist das in aller Regel von der Kreditgröße etwas für die regionalen Volksbanken und Sparkassen.

Dass Sie mich richtig verstehen, ich spreche von der überwiegenden Mehrheit der ca. 200.000 Onlineunternehmen in Deutschland und nicht von den paar hundert, die mit einem Millionenbudget antreten, um dies oder das „zu revolutionieren“.

Sie stecken in einem Dillemma: die großen Banken haben die Kompetenz, Sie benötigen aber zu wenig Kapital, um für diese interessant zu sein. Und dort wo Sie vom Kapitalbedarf gut aufgehoben sind, wird man Ihre Idee möglicherweiße mit großen, ungläubigen Augen anschauen. Wie, Sie möchten hier nun tatsächlich mit einem Bastelbogenabonnement für Kindergärtnerinnen Geld verdienen und benötigen dafür 50.000 €?

Ja, ich habe die Bankangestellten in meinem Buch „Startup und Internetprojekte finanzieren“ nicht mit Samthandschuhen angefasst. Zu Recht! Denn ich halte es für die absolute Pflicht eines jeden Firmenkundenbetreuers einer Bank, dass er sich mit dem Wandel in der Wirtschaft und Gesellschaft auseinandersetzt, sich über neue Geschäftsmodelle leidlich informiert und am Puls der Zeit bezüglich neuer Finanzierungsmodelle ist. Die Recherchen zum Buch und die Erfahrungen als Unternehmer in den letzten zwanzig Jahren zeigen mir jedoch, eine Vielzahl der Bankangestellten bummeln mit Scheuklappen durch das Berufsleben und empfinden Veränderungen häufig als einen Angriff auf ihre Komfortzone, die sie sich mit der Entscheidung eine Banklehre zu absolvieren, eingerichtet haben.

Die Ressentiments der Banken gegen Geschäftsmodelle mit Bits und Bytes sind mit ein Grund, weshalb sich eine ganze Branche auf die Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gemacht hat. Crowdfunding und Crowdinvesting sind Schlagworte, die in der Zwischenzeit bis zu jedem Banker vorgedrungen sein sollten. Ein Irrglaube.

Jedoch ist Besserung in Sicht:

Die Dienstleister VR-Networld, Startnext Network und die T-Systems-Tochter T-Systems Multimedia Solutions haben eine Crowdfundingplattform entwickelt, mit deren Hilfe Volksbanken und Raiffeisenbanken ihren Kunden eine Möglichkeit der Schwarmfinanzierung anbieten können. Vorreiter ist die Volksbank im badischen Bühl. Soviel Innovation hätte ich diesem Bankenverbund gar nicht zugetraut, unter viele-schaffen-mehr.de ist das Projekt nun online. Derzeit können Projekte eingereicht werden, am 17. Juni 2013 soll es mit den ersten Fundings los gehen.

Eine Crowdfundingplattform von regionalen Banken für regionale Kunden ist ein tolles Signal!

Bei der VR-Bank in Bühl sitzen wohl ein paar Banker, die ihre Scheuklappen abgelegt haben und sich sinnvoller Weise überlegt haben, ob sie die Entwicklung der neuen Finanzierungsmodelle lediglich von außen als Zuschauer verfolgen, oder selbst als ein Teil davon mitmischen möchten.

Crowdfunding ist nun also auch bei den Volksbanken angekommen – mit einer eigenen Plattform. Das hätte ich vor einem Jahr, als mein oben genanntes Buch erschienen ist, nicht einmal zu hoffen gewagt. Nun sind viele Kundenbetreuer quasi von Amts wegen dazu gezwungen, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Beim Crowdfunding geht es nicht um die Unternehmens-, sondern um eine Projektfinanzierung. Die Begrifflichkeiten sind noch schwammig und verwischen in der Verwendung. Selbst Seedmatch spricht von Crowdfunding, obwohl es sich bei deren Geschäftsmodell eigentlich um Crowdinvesting handelt.

Egal! Durch das Engagement der VR-Bank Bühl wird die Thematik in das Bewußtsein einer breiteren Öffentlichkeit gebracht und es ist ein weiterer Schritt zu mehr Wissen über die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten durch die Masse. Dadurch, dass das Thema Schwarmfinanzierung von einer regional verwurzelte Bank angesprochen wird, können auf Seiten der potentiellen Unterstützer sicherlich Berührungsängste abgebaut werden. Dies ist dann der gedankliche Einstieg in das für die Unternehmensfinanzierung wichtigere Crowdinvesting.

Es ist spannend abzuwarten, in wieweit sich auch klassische Banken im Bereich Crowdinvesting engagieren können, dürfen und wollen. Franz Sebastian Welter, der Innovationsexperte der Volksbank Bühl äußerte in einem Interview mit dem Blog Social Banking 2.0 des Wirtschaftsjournalisten Lothar Lochmaier, dass „(…) zumindest Gerüchten zufolge mehrere Banken an verschiedenen Crowdfunding bzw. Crowdinvesting-Ansätzen arbeiten.“.

Gerade für genossenschaftlich organisierte Banken sehe ich hier verschiedene Lösungsansätze.

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

24. Mai 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Crowdinvesting, eCommerce, Startups | Kommentare deaktiviert für Volks- und Raiffeisenbanken nun mit eigener Crowdfunding-Plattform