Wie viele Zimmervermittlungen braucht der Markt?

Auf Seedmatch startete heute um 12 Uhr das Funding für eine weitere Zimmervermittlungsplattform: Roomsurfer.

Konkurrenten dieser Plattform für reiselustige und zimmersuchende Welteroberer sind das Original airbnb und die daraus abgeleiteten Kopien Wimdu und 9flats. Als Ergänzung zum im Grunde identischen Geschäftsmodell werden bei Roomsurfer Zimmeranbieter und Reisende nach gewissen Kriterien auf Übereinstimmung geprüft.

Als am Dienstag dieses Startup auf Facebook angekündigt wurde, schrieb ich: „Das wird eine spannende Kiste. Vor allem da sich die Wettbewerber Wimdu und 9flats anscheinend schwer tun und mit airbnb ein echtes Pfund als Gegner bereit steht. Auch wenn Roomsurfer noch die Matchingkomponente dabei hat, im Grunde stehen sie im Wettbewerb mit den anfangs genannten Plattformen. Wünsche auf jeden Fall viel Erfolg!„.

Es war nichts zu erwarten, dass seitens Roomsurfer oder Seedmatch meine Bedenken geteilt werden. Klar, dass man nur um das Geld fremder Investoren wirbt, wenn man von dem Erfolg seiner Idee überzeugt ist.

Roomsurfer sieht seinen USP in der Matchingfunktion. In der Angebotsbeschreibung auf Seedmatch steht: „Herzstück von Roomsurfer ist ein spezieller Matching-Mechanismus. Dafür werden neben den Angaben aus den Profilen der Roomsurfer auch Informationen über Vorlieben und Interessen aus sozialen Netzwerken und Diensten herangezogen.“.

Es bleibt dabei, ich habe große Bedenken, dass dieses Startup der ganz große Erfolg wird – so sehr ich dies jedem Team wünsche!

Was ist denn Roomsurfer aus Sicht der potentiellen Kunden? Ganz banal eine weitere Plattform, auf der eine private Schlafgelegenheit gefunden werden kann. Mehr nicht. Wen interessiert denn ernsthaft, ob er mit seinem Kurzzeitvermieter nach irgendwelchen Matchkriterien übereinstimmt? Wer nach einem Bett sucht, der braucht keine Singlebörsen-Funktionen.

Was wirklich wichtig für den Zimmersuchenden zu wissen ist, das bieten auch alle anderen Plattformen: die Bewertung des Gastgebers und der Schlafstelle durch Kunden, die dort persönlich und tatsächlich übernachtet haben. Ob die Wohnung eine gute Lage hat, wie sie ausgestattet ist und ob der Wohnungsbesitzer eine nette und freundliche Person ist – das ist entscheidend. Und nicht, ob der Gastgeber gerne Karten oder Volleyball spielt.

Roomsurfer wird meiner Reduzierung ihrer Geschäftsidee sicher widersprechen. In fremde Städte reisen und schnell Anschluß finden zu Menschen, die durch das Matchingsystem gefiltert, die gleichen Interessen haben. Ja, klingt gut. Wird auch sicher für ein paar wenige Reisende nützlich sein. Aber damit gegen die großen Plattformen bestehen, die teilweise mit über 100 Millionen kapitalisiert sind?

Die Reiserealität der angestrebten Zielgruppe ist doch eine ganz andere, als von den Machern propagiert. Monatelang Zusammengerechnet über ein Jahr war ich so auf Reisen, wie Roomsurfer seine Kundschaft sieht. Alleine mit dem Rucksack in fremden Ländern, in unbekannten Städten. Peru, Bolivien, Brasilien, Uruguay, Argentinien, Thailand, Indonesien, Australien – in 46 Ländern war ich meist alleine unterwegs. Keinen Menschen kannte ich bei der Ankunft, kein Stadtplan war mir vertraut. Aber hatte ich jemals Probleme, interessante Leute kennen zu lernen, die coolsten Kneipen ausfindig zu machen, oder die besten Sehenswürdigkeiten zu entdecken? Nein! Und den hunderten Menschen, die ich auf diesen Reisen kennenlernte, denen erging es genauso. Roomsurfer zielt auf junge Reisende ab. Diese gehen entweder mit einer großen Offenheit auf Reisen, oder mit Freunden. Auf den Startkick durch den Zimmervermieter ist von dieser Zielgruppe kaum einer angewiesen.

Also kein USP für Roomsurfer, sondern ein Mee-to-Produkt. Und als solches heißen dann die Gegner wie eingangs erwähnt, airbnb, Wimdu und 9flats.

Dr. Holger Schmidt schrieb am 28. Januar 2013 in seinem Netzökonomie-Blog auf focus.de darüber, dass wimdu „eine teure Investitionsruine für die Samwer-Brüder“ werden könnte. Kolportiert wird ein Investment in diese Plattform in der Größenordnung zwischen 70 und 80 Millionen. Also ein dicker Brocken im Vergleich zu dem erhofften Erlös aus dem Funding bei Seedmatch. Dennoch werden die Chancen der Samwer-Brüder-Kopie gegen den Weltmarktführer airbnb als sehr gering eingestuft. Auch die Telekom hat über ihre Tochter T-Venture und zusammen mit weiteren Investorenpartnern einen zweistelligen Millionenbetrag in solch eine Plattform investiert. Aber deren Projekt 9flats ist offensichtlich auch nicht in der Lage, dem Original ernsthaft die Stirn zu zeigen.

Jedes Startup hofft auf den großen Erfolg. Und ich wünsche dies auch jedem Startup. Wie jedoch bereits auf Facebook geschrieben, die Chancen von Roomsurfer muss ich leider als sehr gering einstufen. Offensichtlich sehen dies auch viele potentielle Investoren so: das Funding auf Seedmatch brachte in den ersten 12 Stunden gerade einmal 3.250 € 24 Stunden gerade einmal 3.500 € ein. Ein Betrag, der bei den anderen Angeboten auf der Crowdfundingplattform innerhalb weniger Minuten einging.

Sollten Sie ein paar hundert oder tausend Euro übrig haben, deren eventueller Verlust Sie nicht groß schmerzt, dann investieren Sie jetzt in Roomsurfer. Vielleicht täusche ich mich ja und das Projekt geht durch die Decke.

Wenn es nicht versucht wird, dann werden wir nie erfahren, ob das Konzept bestehen kann. Eine Chance hat Roomsurfer verdient.

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

21. März 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Crowdinvesting, eCommerce, Startups | Kommentare deaktiviert für Wie viele Zimmervermittlungen braucht der Markt?