Wissen die Herren Khedira, Götze, Kroos, Reus, Özil & Co., was ihr Management da tut?

Es gibt schon lustige Geschichten – man möchte fast meinen, der 1. April wurde dieses Jahr auf den 20. März vorverlegt. Könnte passen, denn der Frühlingsanfang wurde definitiv erst einmal verschoben.

Prominenz geht vielfach mit einem hohen Einkommen einher. Dies trifft sicherlich auf Fussballer wie Sami Khedira, Mario Götze, Toni Kroos, Marco Reus, Mesut Özil, René Adler und Simon Rolfes zu. Ob das auch für „Prominente“ wie Johannes Huebl, Olivia Palermo, Peyman Amin, Marie Nasemann oder Annemarie Warnkross zutrifft – ich kann es nicht einschätzen. Die Mehrzahl dieser zuletzt genannten Namen sind mir gänzlich unbekannt.

Was aber hat diese illustre Gemeinschaft – und ich möchte Namen wie Jürgen Vogel, Natalie Wörner, Anja Kling, Wayne Carpendale, Elyas M’Barek, Jana Ina Zarella nebst Gatten Giovanni Zarella, Hans Sarpei, Boss Hoss, Cro und Dana Schweiger nicht unerwähnt lassen – gemeinsam? Nun, sie alle sind auf der Suche nach interessanten neuen Startups, in die sie investieren können.

Klingt gut! Ist es aber nicht!

Internetstartups laufen in  aller Regel mit einer Kreditanfrage bei den Banken gegen eine Wand. Deshalb ist es schön, dass es Business Angels, Venture Capitals und neuerdings auch das Instrument des Crowdfundings gibt. Gut auch, dass es Prominente gibt, die ihr Geld hier investieren. Bekanntes Beispiel ist Ashton Kutcher, der den Startups Amen und Gidsy mit Geld auf die Beine half. Einen passenden Ausdruck dafür gibt es auch: Celebrity for Equity. Klingt gut, reimt sich, passt.

Was allerdings nicht passt, ist das heute auf Gruenderszene vorgestellte eingedeutschtes Modell der KAIORIZE GmbH, ihres Zeichens eine Celebrity Marketing Agency.

Die Agentur ruft alle interessierten Startups auf, sich für eine Präsentation am 14. Mai 2013 zu bewerben. Wer diese Hürde überspringt, der darf 500 € bezahlen und dann seine Geschäftsidee vor den eingangs genannten Prominenten präsentieren.

Coole Sache. Leider stimmt die Hälfte meines Satzes nicht. Also das mit der Bewerbung, der Präsentationsmöglichkeit und den 500 €, das ist alles korrekt. Nur präsentiert man nicht durchgehend vor prominenten Geldgebern, sondern bei den meisten Namen nur vor deren Managementvertreter. Wie das mit dem Management von Prominenten abläuft, welche ureigenen Interessen – nicht immer zum Wohle des Mandaten! – dort verfolgt werden, das habe ich einige Jahre lang selbst erlebt. Nein, nicht auf der Seite der Prominenten …

OK, akzeptieren wir einmal, dass die Herren Fussballer eben am 24. Mai 2013 keine Zeit haben, sich in Berlin einzufinden. Gehen wir auch davon aus, dass diese ein gutes Management haben, welches kompetent und ehrenhaft die Interessen ihrer Schützlinge vertritt und freuen wir uns darauf, dass sich eventuell aus der Riege der investitionsbereiten Schauspieler und sonstigen „Prominenten“ tatsächlich ein paar höchstpersönlich einfinden, was erhalten wir dann für unser Bemühen, für unser Engagement, für unsere 500 Euro?

Klar, wenn ein Startup die Prominenz oder deren Vertreter vom Geschäftsmodell überzeugen kann – dann gibt es nach der üblichen Reihe weiterer Verhandlungen Geld gegen eine Unternehmensbeteiligung. Ganz so, als ob es eben ein normaler Investor wäre.

Nein! Schon wieder daneben gelegen.

Ja, wenn man sich einig wird, dann erhält der Prominente tatsächlich eine Beteiligung – direkt monetär als Umsatzbeteiligung, oder in Form von Unternehmensanteilen.

Nur, das Startup erhält dafür kein Geld auf das Konto überwiesen!

Das Zauberwort heißt mediale Aufmerksamkeit. Dies ist die Währung, mit der in dem von der Celebrity Marketing Agentur präsentierten Geschäftsmodell bezahlt werden soll.

Jeden Tag steht ein Dummer auf. So sagt man im Volksmund und das haben sich die Initiatoren des Celebrity for Equity-Nachmittages eventuell auch gedacht.

Wenn ein Prominenter sein Geld in ein Startup investieren möchte, dann ist das prima. Viele gute Geschäftsideen brauchen finanzielle Unterstützung um aus den Startlöchern zu kommen. Das hier vorliegende Modell ist jedoch meilenweit von dem entfernt, was es vorgibt, zu sein.

Eventuell mag es ein Argument von KAIORIZE sein, dass auch Investoren wie SevenVentures mit den Beteiligungsformen Media-for-Revenue (M4R) und Media-for-Equity (M4E) agieren, was ihrem Modell ähnelt. Dies ist erstmal nicht von der Hand zu weisen. Nur wird dort direkt, ohne großes Showbühnen-Trara und ohne Eintrittsgeld verhandelt!

 

Liebe Startups,

wenn Ihr der Meinung seid, ein Prominenter kann Euch durch seine Bekanntheit einen Push geben, dann geht doch den ganz klassischen Weg. Es mag langweilig klingen, aber was Ihr braucht, das ist ein simpler Testimonialvertrag. Diesen gab es auch schon vor dem Internetzeitalter. Ihr braucht nicht der pseudoneuen Sau hinterherrennen, die hier durchs Dorf gejagt werden soll. Ihr braucht dazu auch keine 500 € an eine Agentur bezahlen.

Sucht Euch selbst den Prominenten Eurer Wahl aus, kontaktiert das Management oder nutzt eventuell vorhandene persönliche Kontakte. Kann sich der Prominente mit der Idee anfreunden, von Euch als Testimonial genutzt zu werden, dann geht es ums liebe Geld. Wie sind seine Forderungen, was könnt Ihr bieten? Ganz einfach. Und solltet Ihr in der Startphase nicht den geforderten Betrag aufwenden können – es gibt schon seit jeher die Möglichkeiten der vertraglichen Ausgestaltung, dass in einer anderen Form bezahlt wird. Dies kann eine Umsatz- oder eben eine Unternehmensbeteiligung sein. Alles keine neue Erfindung.

Ein bunter Präsentationsnachmittag, der die präsentierenden Startups im Ungewissen läßt, bei denen sich die Unternehmen nicht selbst den zur Unternehmensidee passenden Prominenten aussuchen können und für den noch ein Eintrittsgeld bezahlt werden soll – das ist doch Bauernfängerei.

Da frage ich mich, wissen denn die Prominenten, was ihr Management da mit ihren Namen vorhat?

 

22.04.2013 – Nachtrag:

Wie heute auf gruenderszene.de berichtet wird, hat sich die veranstaltende Agentur die nicht nur hier auf Pixeltalk.de geäußerte Kritik zu Herzen genommen. Es werden keine 500 € Teilnahmegebühr berechnet und die Beteiligungsformen sind zwischen den potentiellen Partnern frei verhandelbar.

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

20. März 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Crowdinvesting, eCommerce, Startups | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Hallo Herr Frank,

    zunächst einmal besten Dank, dass Sie sich kritisch mit dem Event und dem dazugehörigen Modell auseinander gesetzt haben. Ihre Äußerungen geben mir die Möglichkeit, zu Ihrer Kritik dezidiert Stellung zu beziehen.

    Sie stellen in Ihrem Beitrag kritisch heraus, dass die Prominenten zum Teil selbst nicht anwesend sein werden und unterstellen dem Management teilweise „bösartige“ Absichten. Ich hoffe es ist Ihnen bewusst, dass auch ein klassischer Testimonial-Deal durch die Hände des Managements geht und es insofern natürlich selbstverständlich ist, dass die – in der Regel – ökonomisch gut geschulten Vertreter des Prominenten auch das Potenzial eines Start Ups bewerten sollten. Insofern ist dieser Kritikpunkt an dieser Stelle m.E. vollkommen überflüssig, da Sie dem Management andernfalls seine originäre Daseinsberechtigung absprechen würden. Folgt man dieser Form der universellen Kritik durch konstruierte Szenarien, dann findet sich für jeden Fakt und jede Tatsache stets ein negatives Beispiel. So wäre auch die Institution Kindergartens als höchst kritisch zu betrachten, da Kinder sozial ausgegrenzt und nachhaltige Traumata erleiden KÖNNTEN.

    Ihr zweiter zentraler Kritikpunkt betrifft die Form der Zusammenarbeit zwischen Prominenten und Start-Ups. Während Sie weiter hinten in Ihrem Beitrag empfehlen, dass Start Ups den klassischen Weg gehen sollten, um einen klassischen Testimonial-Vertrag anzuleiern, kritisieren sie weiter vorne sowohl die Unternehmensbeteiligung ALS AUCH die Umsatzbeteiligung undifferenziert in einem Atemzug. Inwiefern ein Start Up bei einer UMSATZBETEILIGUNG eines Prominenten Geld auf sein Konto überwiesen bekommen sollte, ist mir nebenbei gesagt schleierhaft.
    Gleichwohl werden klassische Testimonial-Deals heutzutage nicht selten über eine UMSATZBETEILGUNG abgewickelt, um das Risiko einer hohen Initialinvestition zu minimieren. Wenn Sie nun einerseits klassische Testimonial-Deals empfehlen, die – wie eben beschrieben – auch aus Umsatzbeteiligungen bestehen können, und gleichzeitig Umsatzbeteiligungen verurteilen, die – wie eben beschrieben – Bestandteil eines Testimonial-Deals sein können, dann ist Ihre Kernaussage in diesem Hinblick leider inhaltlich unlogisch. Darüber hinaus: Die Tatsache, dass jedes Start-Up für sich entscheiden kann, wie es die Zusammenarbeit mit dem Prominenten gestalten möchte, unterschlagen Sie geschickt. Während Sie durchaus berechtigte subjektive Vorbehalte gegenüber einer kostenlosen Umsatzbeteiligung haben können, finde ich es bedauerlich, dass Sie das Wahlrecht und damit die Möglichkeit einer alternativen Form der Zusammenarbeit nur peripher bis gar nicht erwähnen – denn nicht zuletzt ermöglicht es eben dieses besagte Wahlrecht, die Vorbehalte gegenüber einer reinen Unternehmensbeteiligung auszuhebeln.

    Zu guter Letzt: Wie kommen Sie darauf, dass die Start Ups sich die Prominenten nicht selbst aussuchen können? Im Rahmen des Events gibt es an keiner Stelle eine „Zwangsverkupplung“. Die Liste der interessierten Celebrities ist transparent ersichtlich und wenn kein Prominenter dabei ist, der für das jeweilige Unternehmen von Interesse ist, so besteht keine Teilnahmepflicht am Event. Wenn jedoch ein für das Start Up interessanter Prominenter dabei ist, der allerdings umgekehrt am Start Up kein Interesse zeigt, so erhöhen sich durch die Teilnahme am Event die Chancen, sich bei anderen Prominenten auf die Agenda zu setzen, die ggf. auch geeignet wären aber an die man im Vorfeld nicht gedacht hat. Letztendlich kritisieren Sie an dieser Stelle einen Punkt, den Sie selbst aus der Luft gegriffen haben, weshalb auch diese Aussage in meinen Augen haltlos ist.

    Beim besagten Event bietet sich die Chance, mehrere Prominente sowie deren Vertreter auf einmal und vor allem mit ungeteilter Aufmerksamkeit von seiner Geschäftsidee überzeugen zu können. Der alternative Weg, die Namen der Manager zu recherchieren, sie ohne Empfehlung einer Vertrauensperson anzuschreiben und auf unbestimmte Zeit auf eine Antwort – nicht selten ohne persönliches Kennen lernen – zu hoffen überschreitet mit Blick auf die Opportunitätskosten locker (!) eine Teilnahmegebühr von einmalig 500 Euro. Wenn Sie mit einem Taxi von Ihrer Wohnung zum Flughafen fahren, erkaufen Sie sich damit Komfort und eine Zeitersparnis. Keiner käme auf die Idee, den Taxifahrer als Abzocker zu bezeichnen, weil Sie eine Komponente, nämlich die Überbrückung der räumlichen Distanz von A nach B, auch durch laufen kostenlos erlangen könnten.

    Beste Grüße aus Berlin 🙂

    Shamsey Oloko

  2. Guten Tag Herr Oloko,

    Schönen Dank für Ihr Feedback und die Darstellung Ihrer Sichtweise!

    „(…) und unterstellen dem Management teilweise „bösartige“ Absichten. (…)“

    Na ja, da haben Sie eventuell etwas zu hastig gelesen.

    Ich habe aus meiner langjährigen Erfahrung berichtet, dass die Beratung nicht immer zum Wohle des Mandaten abläuft.

    Auch habe ich geschrieben, dass ich davon ausgehe, dass die hier aufgeführten Prominente ein seriöses Management haben: „(…) Gehen wir auch davon aus, dass diese ein gutes Management haben, welches kompetent und ehrenhaft die Interessen ihrer Schützlinge vertritt“!

    Zu allen anderen Punkten ganz einfach geantwortet:

    In der Modelbranche hat es sich in der Zwischenzeit herumgesprochen, dass alles mit ganz großer Vorsicht zu behandeln ist, was ein „Antrittsgeld“ als Grundlage hat. Unisono herrscht die Meinung, so etwas ist unseriös und Bauernfängerei.

    Was Sie hier versuchen, das geht für mein Dafürhalten in diese Richtung.

    Egal, ob 500 € viel oder wenig sind – wenn Sie mit Partnern Unternehmen suchen, in die investiert werden kann, dann ist ein Antrittsgeld überflüssig! Sie verkennen eventuell etwas die Ausgangslage: nicht nur die Startups suchen Partner, auch Ihre Prominenten wollen solche gewinnen. Beide Parteien können sich auf Augenhöhe gegenübertreten. Ist der gedankliche Ansatz, „wir (Prominente) da oben, die (Startups) da unten? Dies wäre ein Trugschluss. Vor allem wenn ich mir Ihre „Prominenten“-Liste betrachte. Mal von den Fussballern abgesehen, könnte sich da die Lage schnell und gravierend ändern.

    Da es offensichtlich sowieso in einem Testimonialvertrag mündet, braucht es dieses ganzen Theater mit Vorauswahl und Antrittsgeld auch nicht! Diese Zeit kann sich jedes Startup sparen und sich direkt an das Management wenden.

    Und ja, sicher kann keine „Zwangsverkupplung“ statt finden. Wie auch. Aber dann hat also ein Startup die erste Hürde der Jury genommen, darf präsentieren und 500 € bezahlen und dann sitzen da nur „Prominente“ oder deren Vertreter, die überhaupt nicht zum Projekt passen. OK, wie Sie schreiben, muss man ja nicht teilnehmen, wenn man die Liste nach der Juryentscheidung einsehen kann. Aber der Präsentationsaufwand – für die Juryrunde – wurde schon betrieben. Super Sache.

    Oder betrachten wir es einmal anders herum: Sie sind doch sicher nicht auf die paar tausend Euro angewiesen.

    Warum also nicht ganz einfach eine Präsentationsrunde mit fachlicher Vorauswahl einer Jury? Punkt. Dann würden Sie auch gute Presse bekommen. So wie Sie es präsentierten, kann das ein feines Eigentor werden. Gerade beim Thema Geld und Prominenz ist die Öffentlichkeit sehr sensibel. Und die Öffentlichkeit bringt der Prominenz das Geld. Erst die Öffentlichkeit macht aus einem Sportler, einem Schauspieler, einem Moderator einen Prominenten. Das scheint ab einer gewissen Stufe der Beliebtheitsskala vergessen zu werden. Als Marketingberater muss ich vor solch einer Hybris dringend warnen.

    Als Prominenter wäre ich nicht glücklich über solch eine Verfahrensweise, das kann medial ganz schnell nach hinten los gehen! Sie kennen die Mechanismen der Branche. Deshalb auch meine Frage, ob die denn alle wissen, was ihr Management da angekurbelt hat.

    Ehrlich gesagt verwundert es mich auch sehr, dass Sie als erfahrene Agentur und die eingebundenen Berater der Fussballer, ein Projekt auf diese Art starten. OK, bei den mir bisher unbekannten „Prominenten“ – ich habe sie nun alle „gegoogelt“ – hält sich meine Verwunderung in Grenzen. Sie haben hier eine muntere Gruppe aus Protagonisten zusammengestellt, die in gänzlich verschiedenen Ligen spielen.

    Das Ding hätte ein echter Knaller werden können! Mit „echten“ Prominenten (ein paar haben Sie ja an Bord), mit einem fairen Auswahlverfahren auf Augenhöhe und mit echtem, harten Geld gegen Anteile.

    Ich denke, Sie haben die Idee einfach nicht aus genügend verschiedenen Blickwinkel betrachtet. Der Ansatz, dass man seine Idee ein paar Prominenten präsentieren kann, ist gut. Aber alles was danach kommt, der weitere Ansatz, die angedachte Ausführung – nein, dafür können Sie von mir keinen Beifall bekommen. Und wenn ich die Reaktionen der Szene so betrachte, dann ist der Jubel – höflich formuliert – eher verhalten.

    Aber lassen Sie sich nicht entmutigen. Wie ich aus der Recherche für mein Buch „Startup und Internetprojekte“ weiß, ganz sicher werden Sie genügend Startups finden, die sich auf solch einen „Deal“ einlassen.

    Viele Grüße
    Andreas Frank

    • Guten Abend Herr Frank,

      auch Ihnen wieder besten Dank für Ihre Ausführungen!

      Was die unseriösen Modelagenturen betrifft, so bin ich ganz bei Ihnen! Es steht außer Frage, dass bei diesen Agenturen wissentlich Profit aus der Unkenntnis der (naiven) Bewerber gezogen werden soll. Die Analogie zum geplanten Event sehe ich jedoch nicht wirklich. Es werden an keiner Stelle falsche Leistungen versprochen oder unseriöse Erwartungen geweckt. Im Gegenteil, der Leistungskatalog wird klar kommuniziert. Irritierenderweise schreiben Sie in diesem Zusammenhang:

      „OK, wie Sie schreiben, muss man ja nicht teilnehmen, wenn man die Liste nach der Juryentscheidung einsehen kann. Aber der Präsentationsaufwand – für die Juryrunde – wurde schon betrieben. Super Sache.“

      Die Liste ist jedoch bereits jetzt schon einsehbar? Der Präsentationsaufwand ist also mit einem klaren Ziel, nämlich dem Pitch vor einem bestimmten Promi, verbunden. Es wäre in der Tat ineffizient, wenn man erst die Unterlagen erstellen sollte und dann die Liste einsehen kann, um die Bewerbung anschließend doch zurückzuziehen. Dies ist jedoch wie gesagt nicht der Fall und insofern fehlt diesem Kritikpunkt die Grundlage.

      Sie schreiben: „Ist der gedankliche Ansatz, “wir (Prominente) da oben, die (Startups) da unten?“

      Selbstverständlich nicht und auch da sehe ich nicht wirklich den Bezug zum geplanten Event. Das Verhältnis Promi & Start Up wird an keiner Stelle durch die Anmeldegebühr definiert, die ausschließlich agenturseitig erhoben wird. Man darf nicht vergessen, dass wir diesen Event bewusst ohne Sponsoren veranstalten. Raum, Catering, Erstellung AGB, Sichtung der Businesspläne, Ansprache der Celebrities etc. sind klare Leistungen unsererseits, die es zu kompensieren gilt. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, bin ich mir sicher, dass Ihr Tageshonorar im Rahmen einer Beratung die 500 Euro Anmeldegebühr deutlich übersteigt. Was m.E. wahrscheinlich aufgrund Ihrer Erfahrung und Expertise auch gerechtfertigt sein wird und die Nachfrage am Markt widerspiegelt. Gleichwohl ist die Dienstleistung, die wir anbieten, ebenfalls nicht annähernd so einfach imitierbar, wie Sie an der einen oder anderen Stelle suggerieren. Einfach mal dem Management schreiben und dann läuft schon alles, ist gelinde gesagt etwas naiv gedacht. Zumindest bei bestimmten Prominenten. Insofern ist es ökonomisch gesprochen schlichtweg erforderlich, für unsere Zeit, unser Wissen unser in Jahren (!) aufgebautes Netzwerk und unsere Kreativität eine Teilnahmegebühr als Vergütung zu erheben. Wer diese nicht zahlen will, scheint den Wert nicht erkannt zu haben oder erkennen zu wollen.

      Sie schreiben weiter: „Das Ding hätte ein echter Knaller werden können! Mit “echten” Prominenten (ein paar haben Sie ja an Bord), mit einem fairen Auswahlverfahren auf Augenhöhe und mit echtem, harten Geld gegen Anteile.“

      1. Was ein „echter“ Promi ist hängt nicht zuletzt von dem jeweiligen Zielen und Interessen des Start Ups ab. Schließlich geht auch nicht nur der Prominente selbst sondern auch sein ganzes Netzwerk in eine entsprechende Kooperation mit ein – ein Faktor, der oftmals stark unterschätzt wird. Es ist m.E. daher zu kurz gedacht, im Rahmen einer subjektiven Skala eine „absolute“ und „universelle“ Hierarchie des Promistatus suggerieren zu wollen. Ich verweise hier auf den situativen Ansatz.

      2. Ein faires Auswahlverfahren ist m.E. durch die Jury gegeben. Was genau an dem jetzigen Auswahlverfahren unfair sein soll, habe ich leider noch nicht verstanden.

      3. Zu guter Letzt: Inwiefern der Prominente im Rahmen der Verhandlungen sogar gewillt ist, Geld zu investieren, können Sie ex ante ja gar nicht ausschließen, da die Eigendynamik dieser Kooperationsgespräche noch völlig im Dunkeln liegt. Ich gebe zu, dass es das primäre Ziel sein soll, Anteile oder Umsatz gegen Reichweite, Popularität und Netzwerk einzutauschen, schließe jedoch weitere Entwicklungen im Rahmen der entsprechenden Einzelgespräche definitiv nicht aus.

      Dass ich von Ihnen keinen Beifall bekommen werde, nehme ich selbstreflektierend zur Kenntnis; und um ehrlich zu sein freue ich mich auch, mit Ihnen diese Diskussion führen zu können, denn es zeigt mir deutlich, dass das Thema insgesamt polarisiert und durchaus Raum für Aufklärungsbedarf und ggfs. auch Anpassungen besteht! Auch die Kommentare bei gründerszene sind mir selbstredend nicht entgangen. Gleichwohl ist die Kritik dort teilweise stark polemisch angehaucht und die Summe von Kommentaren machen eine Meinung noch lange nicht zur Wahrheit. Sonst wäre die Welt noch immer flach.

      Nichtsdestotrotz schlage ich vor, dass ich Sie über den weiteren Verlauf des Events auf dem Laufenden halte, auf dass der kritische Diskurs zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden kann. Gleichwohl möchte ich Sie abschließend auf eine aktuelle Studie zur Wirkung von Testimonialwerbung aufmerksam machen, denn bei allen pro und contra bzgl. der Angemessenheit einer Teilnahmegebühr steht für mich als essentieller Fixpunkt unseres Events der Nutzen eines Prominenten für das Unternehmen im Mittelpunkt. Und dieser kann hier eindrucksvoll belegt werden: http://www.celebrityperformance.com/tl_files/themes/cpi/news-presse/thumbs/Case_Vettel_TirendoI.pdf

      Beste Grüße

      Shamsey Oloko

  3. Hallo Herr Frank,
    Hallo Herr Oloko,

    danke für die spannende Diskussion und die sich daraus ergebenden Informationen.

    Es wäre eventuell hilfreich gewesen das „Startgeld“ tatsächlich auch „Unkostenpauschale“ für die Agentur zu definieren.

    Ich finde dieses Format auf alle Fälle spannend und Reichweite ist für ein Startup ein entscheidender Markteintrittsfaktor.

    Wir sind gespannt wie sich dieses Angebot weiter entwickelt. Nachdem die Politik sich jetzt schon mit Startups schmückt, sind auch die Promis willkommen.

    Vor einiger Zeit hat man uns (Verzeihung) „mit dem Arsch nicht angeguckt“.

    Insofern alles was Gründer und junge Unternehmen nach vorne bringt – her damit.

    beste Grüße aus Frankfurt sendet
    T. Schreiber vom Gründertaxi