Frank Jonen vs. Fitness SF

Der freiberuflicher Mediengestalter und Visual-Effects-Spezialist Frank Jonen aus Idstein sollte sich das Ziel seiner nächsten Urlaubsreise gut überlegen. Die USA anzusteuern, das ist eventuell kein guter Plan.

Durch Empfehlungen kam Jonen vor gut einem Jahr zu dem Auftrag, für die amerikanische Fitnessskette „Fitness SF“ das Logo und deren Website zu überarbeiten. Offensichtlich waren die Betreiber der Fitnesstudios mit der Arbeit zufrieden. Die zumindest vorübergehende Nutzung der erarbeiteten Lösungen läßt darauf schließen. Wie es aber leider oftmals der Fall ist, mit der Rechnungsstellung war die Freundschaft dann wohl beendet.

Nachdem Frank Jonen erfolglos auf den Zahlungseingang wartete, holte er nun zu einem Gegenschlag aus. Zu einem sehr drastischen: er änderte die DNS-Einträge und leitetet die Kundendomain auf eine eigene Seite um. Dort kann nun jeder Interessent von Fitness SF plakativ Kenntnis davon nehmen, dass Frank Jonen noch immer auf den Ausgleich seiner Honorarforderung wartet.

Das sehen heute die Interessenten unter der Domain fitnesssf.com

 

Mutig oder naiv? Wie mag man solch eine Aktion bewerten?

Ja, es ist oftmals zum Verzweifeln. Da leistet man gute und pünktliche Arbeit, das Konto ist leer, der Banker liegt einem im Nacken und die sehnlichst erwarteten Zahlungen von den Kunden wollen einfach nicht auf dem Konto erscheinen. Seit fünfzehn Jahren analysiere ich mit WerbeCheck.de die Honorare und Kosten in der Werbebranche und weiß durch zahlreiche Gespräche unter Kollegen und auch aus meiner früheren Zeit als aktiver Werber, wie dramatisch die Folgen eines säumigen Kunden sein können. Vor allem Freiberufler sind hierzulande oftmals hart an der Kante finanziert, so dass es sich nur wenige leisten können, mit einer gewissen Lockerheit auf einen fünfstelligen Betrag zu warten. Um diese Größenordnung scheint es im Fall von Frank Jonen zu gehen.

Die Internetseite eines Kunden zu kapern und den Fall derart öffentlich zu machen ist jedoch harter Tobak. Ganz harter Tobak!

Um sich ein Urteil erlauben zu können, muss man beide Seiten kennen. Mit diesem einseitigen Pranger wird jedoch keine Basis für eine gerechte Beurteilung geschaffen. Der Mediengestalter ruft zum Boykott gegen die Fitnesskette auf. Aber auf welcher Basis soll denn eine faire und gerechte Entscheidung pro oder contra getroffen werden? In Deutschland wurde vor einigen Jahren – auch aus diesen Gründen – der sogenannte „Schwarze Mann“ gerichtlich verboten.

Emotional kann ich Frank Jonen gut verstehen. Er fühlt sich im Recht, hat ein halbes Jahr Zeit und Aufwand in die Arbeit gesteckt und möchte nun dafür entlohnt werden. Jetzt aber den virtuellen Schwarzen Mann auf den Plan zu rufen und der Gegenseite nicht dieselbe Möglichkeit der Darstellung ihrer Sicht der Dinge einzuräumen, das verstößt gegen mein Rechtsempfinden. Ob es auch gegen geltendes Recht verstößt, das vermag ich nicht abschließend zu beurteilen. Zumal in diesem Fall noch das deutsche auf das amerikanische Rechtssystem trifft.

Unabhängig von der rechtlichen Beurteilung, diese Aktion wird nicht zielführend sein.

Der Antrieb war sicherlich, auf Grund eines erhofften Shitstorms gegen seinen Auftraggeber, möglichst schnell zur Zahlung des ausstenden Betrages zu kommen. Aber was bleibt dem Gegener denn nun übrig? Die Prangeraktion einfach hinnehmen, schnell die eventuell noch offenen Rechnungen zu begleichen und dann darauf hoffen, dass sich ein Sturm der Entrüstung schnell legt? Dies wird wohl kaum erfolgen. Eher wird die Fitnesskette zahlreiche Argumente vortragen, warum sie nicht gewillt ist für die Arbeiten zu bezahlen, um so den eigenen Imageschaden klein zu halten. Vielleicht wird auch die Ausführung als mangelhaft angemahnt, oder der Auftrag überhaupt in Frage gestellt? Wird die Fitnesskette versuchen, einen Schadensersatz gegen Frank Jonen durchzusetzen? Vieles ist denkbar. Was aber sicher nicht passieren wird ist, dass die Rechnungen nun einfach so bezahlt werden. Deshalb denke ich, dass diese Aktion zu sehr emotional gesteuert war und auch für den Initiator mehr Schaden als Nutzen bringen wird.

Und wie zieht man nun den Karren wieder aus dem Dreck?

Gut vorstellbar, dass auf des Gegeners Seite bereits die juristischen Messer gewetzt werden. Schadensersatzprozeße können teuer und schmerzhaft werden. Der ursprünglich im Raume stehende Betrag der vermeintlich offenen Forderung ist dagegen schnell winzig klein. Und die breite Masse der Öffentlichkeit läßt sich auch durch ein Urteil meist nicht von ihrer ursprünglichen und parteiischen Meinung abbringen. Deshalb würde ich die Prangerseite sofort durch die tatsächliche Internetpräsenz von Fitness SF ersetzen. Und dann geht es darum, persönlich oder durch einen Mediator, eine Gesprächsbasis zu schaffen. Bestenfalls wird eine gemeinsame Erklärung erarbeitet, dass es leider beiderseitig zu gewissen Fehlinterpretationen bezüglich des Auftrages gekommen ist und sich diese bedauerlicherweise zu sehr aufgeschaukelt haben. Je nachdem wer im vorliegenden Fall tatsächlich Recht hat, wird diese Lösung einer der beiden Seiten sauer aufstoßen. Aber dies ist immer noch besser, als eine medial verfolgte Schlammschlacht via Website, Facebook, Twitter & Co. –  diese schadet beiden Seiten mehr, als ein – unabhängig von der tatsächlichen Schuldsituation – gemeinsam verfasstes „Sorry“.

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

15. Februar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Fundstücke | Kommentare deaktiviert für Frank Jonen vs. Fitness SF