Müssen Verlage Bücher einschweißen?

Es gibt Stimmen auch aus der Verlagsbranche selbst, die das Einschweißen von Büchern in Folie für eine unnötige Umweltverschmutzung halten.

Bücher in Folie verpacken bedeutet einen immensen Plastikmüllberg, keine Frage. Dennoch gibt es gute Gründe, die für die Verpackung von Büchern in Schrumpffolie sprechen. Ganz banal: der Handel verlangt es. Und dann ist es leider so, dass Bücher auf dem Weg zum Kunden allerlei Strapazen ausgesetzt sind, die sie ohne Folienverpackung nicht unbeschadet überstehen würden. Inhaltlich natürlich schon, aber welcher Kunde greift in der Buchhandlung zum unverpackten Exemplar, das womöglich schon etwas abgestoßene Kanten hat und dessen Umschlag Fingerabdrücke oder kleine Verschmutzungen aufweist? Was würde der Onlinekunde denken, wenn er ein nicht 100%ig taufrisches Exemplar aus dem Briefkasten holt? Dass er ein bereits benutztes Buch zugeschickt bekommen hat. Unterschwellig ist das Produkt dann minderwertiger, was unweigerlich in die persönliche Bewertung seines Kaufes einfließt.

Im Lebensmittelhandel gibt es Versuche, mit dem Wahn aufzuhören, jedes Produkt in Folie zu verpacken. in.gredients in den USA, sowie unpackaged in London verzichten auf Umverpackungen. In Deutschland steht mit original-unverpackt ein Supermarkt in den Startlöchern, der sich selbst mit den Worten „Original Unverpackt wird der erste Supermarkt in Deutschland, der weitgehend auf Einwegverpackungen verzichtet“ ankündigt.

Alles recht und schön! Aber den Kampf um die Bewußtseinsveränderung im Kopf des Kunden kann ich nicht führen. Eine Brise Salz in den Bodensee geworfen, würde dort eher Süß- in Salzwasser verwandeln, als dass ich mit meiner sehr speziellen Fachliteratur etwas in puncto Folienstopp bewirken könnte. Die großen Publikumsverlage mit ihren Millionenauflagen müssen den Anfang machen.

Nicht nur aus Gründen der Umwelt sind die Folien ein Ärgernis.

Mich stören die Kosten für das Einschweißen der Bücher in Folie. Druckereien verlangen dafür je nach Auflage zwischen fünf und 80 Cent. OK, beim ROTSTIFT für 65,33 € habe ich genug kalkulatorische Luft, um die Kosten zu verkraften. Aber zum Beispiel bei dem in Kürze erscheinenden Buch „Hilfe, ich habe einen Onlineshop“ sieht die Kalkulation schon anders aus: der VK beträgt 12,90 €. Davon ziehen  wir die Umsatzsteuer in Höhe von 7% ab, ergibt 12,06 €. Der Vertrieb findet zum überwiegenden Teil über Amazon statt und die machen dies nicht ganz umsonst. 50% Provision werden mir da abgeknöpft. Macht netto 6,03 € für mich. Aber damit ist das Verlangen noch nicht zu Ende. Für Lager und Logistik kommen noch 5%  an Kosten auf mich zu = 5,73 €. Immer zu Beginn eines Monats teilt einem Amazon mit, welche Verkäufe man für den vergangenen Monat in Rechnung stellen darf; diese Rechnung wird dann zwei Monate später beglichen (also wenn es blöd läuft, arbeitet Amazon knapp drei Monate mit meinem Geld!) – und dafür werden noch 2% Skonto abgezogen. Macht aus dem Netto-Verkaufspreis von 12,06 € letztlich 5,62 € netto für mich. Davon ziehen wir noch 2,70 € für den Buchdruck ab. Somit erhalte ich 2,92 € netto für jedes verkaufte Buch. Dass der Versand der Bücher an die Amazon-Logistikzentren nicht gratis ist, geschenkt. Darauf kommt es auch nicht mehr an. Ebenso darf man nicht darüber nachdenken, welche sonstigen Kosten für das Schreiben und die Vermarktung bis zum ersten verkauften Exemplar aufgelaufen sind.

Bei diesen Zahlen wird es deutlich: ob man dann auch noch 20, 40 oder 80 Cent für das Einschweißen der Bücher aufwenden muss – so überschaubar die Kosten auch klingen – sie sind nicht unwesentlich! Unwesentlich wären sie, wenn man Verkaufsauflagen von 50.000, 100.000 oder mehr Exemplaren schafft. Da würde das in Folie packen einen Cent kosten. Branchenfremde täuschen sich meist sehr in den Auflagen und schätzen diese viel zu hoch ein. Auflagen im vorgenannten Bereich schaffen nur ganz wenige Bücher. Bei Fachliteratur gelten bereits Auflagen von wenigen hundert oder tausend Exemplaren als Bestseller.

Noch mehr als die Kosten stört mich jedoch das Handling!

Man kann es sich einfach machen und bestellt in der Druckerei seine Auflage in Einzelverpackung fix und fertig. Dann kommt schön der Spediteur und liefert die Palette mit den Büchern, jedes einzelne Exemplar erstrahlt glücklich verpackt in Schrumpffolie. Kein Streß, kein Aufwand – alles gut.

Blöd aber für mich, dass ich meinen Büchern immer noch ein paar Flyer beilege, um etwas Werbung für neue Projekte oder Aktionen zu machen. Veröffentlichungen wie Der Rotstift oder Startup und Internetprojekte finanzieren sind Longseller. Da lohnt es sich schon, eine Auflage drucken zu lassen, die über das ganze Jahr verteilt verkauft wird. Allerdings weiß ich zum Zeitpunkt der Drucklegung nicht, welche Flyer ich ein paar Monate später beilegen möchte. Auch kommt es vor, dass eine Werbeagentur gleich einen ganzen Stapel vom ROTSTIFT bestellt, um diese an ihre Kunden zu verteilen. Würde ich die Druckauflage fertig verschweißt anliefern lassen, könnte ich damit nicht auf Sonderwünsche reagieren und beispielsweise dem ROTSTIFT noch ein paar Informationen der Agentur beilegen.

Bücher komplett in Eigenregie erstellen und vermarkten zu können, das ist ein Traum! Dank an die Techniken, die es einem ermöglichen, selbst publizistisch tätig zu sein, ohne auf das Kopfnicken von großen Verlagen angewiesen zu sein. Bücher im Eigenverlag zu vertreiben, das bedeutet aber auch, mit den Stellen hinter dem Komma zu kalkulieren und bei jeder neuen Auflage und jedem neuen Projekt akribisch nach günstigen Druckereien zu suchen. Aktuell habe ich eine Druckerei ausfindig gemacht, die in wirklich prima Qualität zu einem äußerst guten Preis liefert. Für manche ein Problem, für mich zu vernachlässigen, diese Druckerei bietet den Service, die Bücher einzeln in Folie zu verschweißen, gar nicht erst an.

Der Handel und die Kunden verlangen eingeschweißte Bücher. Meine Marketingaktivitäten und Maßnahmen zur Individualisierung sprechen gegen fertig verpackte Druckereilieferungen. Was also tun?

Für alles gibt es Dienstleister im Netz zu finden. Auch Anbieter, die ihre Folienschrumpfanlage gerne mit Kundenaufträgen auslasten. Allerdings, wenn man mit Kleinaufträgen von 100 oder 200 Exemplaren droht, dann winken die schon von weitem ab. Lächerlich macht man sich mit Anfragen, ob es denn möglich wäre, 20 Bücher zum Einschweißen zu schicken. Nicht verwunderlich, wie soll so etwas vernünftig kalkuliert werden? Wenn der Dienstleister nur an den Auftrag denkt, müßte er schon so viel in Rechnung stellen, dass jede einzelne Buchverpackung ein paar Euro kosten würde.

Unabhängig von den Kosten, auch der sonstige der Aufwand wäre zu hoch: Ein Kunde möchte zehn Rotstift-Exemplare mit Widmung. Diese schicke ich an den Folienschweißer, der verpackt die Bücher in Folie, schickt sie mir zurück und ich leite dann diese nach Prüfung an den Kunden weiter … eilig darf man es da aber nicht haben.

Kein Problem ohne Lösung. Google nach „Folienschrumpfanlage“ befragt, spuckt gleich eine wunderbare Kombination aus Winkelschweißgerät und Schrumpftunnel aus. Hübsch. Wenn der Preis mit 6.240,- € nicht etwas über dem Budget liegen würde. Platz für das Monstrum hätte ich im Büro leider auch nicht. Lösungen ohne Ende, aber auch eine Zellophaniermaschine für 3.275,- € oder ein Haubenschrumpfgerät für 1.690,- € sind für meine Aufgaben überdimensioniert.

Ein Tischschrumpfsystem für netto 249,90 € trifft da schon eher meinen Geschmack. Aber genauer betrachtet, aus was besteht denn solch ein System? Aus einem Folienschweißer, wie ihn auch Muttern in der Küche hat und aus einer Heißluftpistole, die in jedem normal sortierten Bastlerkeller zu finden ist. Schlußfolgerung, das muss günstiger als 249,90 € gehen – ging es auch.

Bücher in Folie schweißen – ja, das möchte ich. Dafür viel Geld ausgeben und logistischen Streß auf mich nehmen – nein, das möchte ich nicht.

Warum der Weg zu einer äußerst günstigen und platzsparenden Folienschrumpfanlage über den Metzgereibedarfsfachhandel führt, das erfahren Sie in Kürze hier auf Pixeltalk.

Update: Über meine günstige Lösung zum Einschweißen von Kleinauflagen lesen Sie jetzt hier.

 

Möchten Sie diesen Artikel auf Facebook, Twitter oder Google+ teilen? Darüber freue ich mich sehr!

VN:F [1.9.22_1171]
Bitte bewerten Sie diesen Beitrag:
Rating: 5.0/5 (8 votes cast)
Müssen Verlage Bücher einschweißen?, 5.0 out of 5 based on 8 ratings

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

05. Dezember 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Fundstücke, Persönliches | Kommentare deaktiviert für Müssen Verlage Bücher einschweißen?