Was du nicht willst, das man dir tut …

Schon als Kind lernt man, „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu.“

Die Sache ist doch ganz einfach. Jeder erwartet für den Fall von Vorwürfen gegen sich selbst, dass er die Möglichkeit der Darlegung seiner Sicht der Dinge bekommt. Aber wenn es einen nicht selbst betrifft, dann wird einfach dumm ohne großes Nachdenken dem Antreiber hinterher gerannt.

In Zeiten der allgegenwärtigen „Shitstorms“ scheint es für viele in Vergessenheit geraten zu sein, was es bedeutet, einen Fall gerecht zu beurteilen. Kaum posaunt jemand seine ganz persönliche Meinung in die virtuelle Welt hinaus, schon findet er schnell Anhänger, die seiner Meinung blind und ohne jegliche Reflexion folgen. Da werden Urteile gefällt, ohne sich die Mühe zu machen, erst einmal die andere Seite anzuhören. Ein Urteil auf Grund eines einzelnen subjektiven Parteienvortrages – in zivilisierten Ländern vor Gericht undenkbar, im Internet alltägliche Realität.

So geschieht es derzeit auch wieder in dem Fall Frank Jonen gegen die Fitnesskette Fitness SF.

Frank Jonen behauptet, er wäre für seine Arbeit für den Fitnessstudiobetreiber nicht ordnungsgemäß entlohnt worden, kapert deren Internetseite und findet damit große Zustimmung im Netz. Es kann ja sein, dass  Jonen tatsächlich nicht wie vereinart entlohnt wurde. Es kann aber auch sein, dass es handfeste Gründe für den Auftraggeber gibt, die Zahlung zurück zu halten. Wir als Aussenstehende wissen es nicht!

Man kann fühlen, denken meinen – aber auf solch einer Basis des Nichtwissens steht es uns nicht zu, das Schwert über Fitness SF zu schwingen!

Dramatisch finde ich es beispielsweise, dass ein sich als Freier Mitarbeiter von Deutsche-Startups.de ausweisender Herr Panknin auf Facebook lapidar schreibt: „Gute Aktion. (…) Die rechtliche Lage ist mir persönlich wurscht (…). Wer nicht bezahlt, hat nach meiner Meinung keinen Anspruch auf Inhalt.“.

Woher weiß ein Herr Panknin denn, dass Herr Jonen die Wahrheit ins Netz gestellt hat? Hat er die Verträge vorliegen, war er bei allen Gesprächen zugegen? Kennt er die Sichtweise der Gegenseite? Und wie kann er von sich geben, dass ihm die rechtliche Lage egal ist? Nimmt er nicht auch für sich die Grundlagen unserer Rechtsordnung in Anspruch? Es würde Deutsche-Startups.de als eines der besten und wichtigsten Sprachorgane der Internetszene gut zu Gesicht stehen, wenn sie ihrem Mitarbeiter ein paar Nachhilfestunden in Sachen „gerechte Urteilsfindung“ spendieren würden.

Fitness SF hat reagiert

Gegenüber dem amerikanischen Branchenblatt Adweek in New York äußerte sich Fitness SF mit folgenden Worten:

„On Wednesday evening, our domain name Fitness SF was hacked and stolen by an individual named Frank Jonen. Frank was hired on May 16th, 2012 to develop a functional website for our brand. A $5,000 payment was made to him on the same date. In his proposal, he stated that the website would take 10 weeks to complete. He missed numerous deadlines including our brand launch in September. In December, he voluntarily passed the incomplete and non functioning website to our new design firm.

Now, Frank is attempting to portray himself as the victim when truly the victim is Fitness SF as he attempts to get paid for work he did not complete and has decided that blackmail is the way to accomplish that.“

Wer hat nun Recht, welche Seite sagt die Wahrheit? Frank Jonen? Fitness SF? Oder haben beide etwas Recht?

Dies verlässlich festzustellen, dazu bedarf es eines ordnungsgemäßen rechtsstaatlichen Verfahrens. Und dann kann ein Richter, der beide Positionen eingehend beleuchtet hat, ein Urteil sprechen.

So entsteht Gerechtigkeit. Und nicht durch dummes blindes Hurra schreien!

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

16. Februar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Fundstücke | Kommentare deaktiviert für Was du nicht willst, das man dir tut …