Bauernfängerei mit diakritischen Zeichen

Diakritische Zeichen? Wer nicht gerade als Sprachwissenschaftler seine Wecken oder Schrippen verdient, oder jahrelang in der Schule durch Latein geprügelt wurde, dem dürfte diese Bezeichnung im Alltag selten begegenen.

Diakritische Zeichen sind beispielsweise Striche und Häkchen über oder unter Buchstaben. Wenn man genau hinschaut, dann kann man es z.B. bei diesem í sehen. Schaut doch erst einmal aus wie ein ganz normales i. Ist es aber nicht, denn statt einem Punkt hat der Strich ein Akut auf dem Kopf.

Für die Verwendung in Domains waren diese Sonderzeichen ursprünglich nicht vorgesehen. Dann wurden sie durch die IDNA (Internetstandard Internationalizing Domain Names in Applications) ermöglicht. Und das Übel nahm seinen Lauf.

Immer wieder versuchen ganz schlaue Domainverkäufer auf eBay einen Dummen zu finden, der diese Abweichung nicht bemerkt. Und es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob ich die Domain brautkleíder.de oder brautkleider.de kaufe. Erstere ist ganz banal wertlos, was man von der Domain mit dem richtigen i nicht behaupten kann.

Richtig grausam wird es, wenn ich in der Artikelbeschreibung etwas von „absoluter Topdomain“ lese. Nein! Solche Domains sind nicht einmal die Registrierungsgebühren wert. Auch ist es in der Praxis nicht richtig, wenn der Verkäufer behauptet, dass es egal ist, ob eine Domain ein solches diakritisches Zeichen enthält oder nicht. Welcher Mensch im deutschsprachigen Raum tippt denn bei einer Suche den Suchbegriff mit Sonderzeichen ein? Keiner! Die Mehrzahl der User weiß nicht einmal, was er auf der Tastatur eingeben muss, um diese Zeichen zu schreiben.

Sicher, mit genügend Zeit und Geld kann man jede Domain auf den gewünschten Suchbegriff optimieren. Man wird es auch schaffen, die Domain brautkleíder.de auf das Keyword Brautkleid zu optimieren. Nur in welchem Verhältnis stehen Aufwand und Ertrag? Sinnvoller ist es dann zu versuchen, die richtige Domain aufzukaufen. Oder aber man weicht auf eine Domain ohne Sonderzeichen und mit einem Zusatz aus. Möglichkeiten gibt es hier genügend, es findet sich immer eine Alternative.

Auch darf nicht übersehen werden, dass man sich mit solchen Fehldomains aller möglichen Marketinginstrumente beraubt. Wie soll man denn einem Kunden klar machen, dass er bitteschön auf das í achtet, wenn er wieder einmal etwas im Shop einkaufen möchte? Oder wie kommuniziert man die Schreibweise auf Flyern und in Anzeigen? Der Wettbewerber mit der korrekten Schreibweise freut sich über kostenlosen Traffic.

Deshalb: Finger weg von solchen Schrott-Domains!

Hinweis: Die oben genannte Domain ist nur zur Verdeutlichung der Problematik gewählt. Ich hätte auch jede andere Domain mit einem í bzw. i nehmen können.

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

10. Januar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Online-Marketing | Kommentare deaktiviert für Bauernfängerei mit diakritischen Zeichen