Abmahnwahnsinn „Weltuntergang“

Es wird endlich Zeit, dass die Abmahnkosten auch im gewerblichen Bereich auf 100 € gedeckelt werden!

Wie heute vielfach im Netz gelesen werden kann, hat sich ein ideenreicher und umtriebiger Herr wohl zu geschäftstüchtiger Typ vor einem Jahr das Wort „Weltuntergang“ als Wortzeichen eintragen lassen und mahnt nun massenweise Gastronomen ab, die zum Ablauf des Maya-Kalenders „Weltuntergang-Partys“ feierten.

Man muss kein Hellseher sein um zu erkennen, dass der Herr niemals etwas anderes mit der Anmeldung plante, als ganz kalkuliert die vorhersehbar zahlreichen Partys zu diesem Stichtag zu Geld zu machen. Er mag es in seinen Abmahnungen und wohl bald auch vor Gericht anders darstellen – muss er ja auch – aber ihm wird hoffentlich kein Richter folgen!

Auch der Umstand, dass er für diese Aktion eine Anwaltskanzlei gefunden hat, ist ein Trauerspiel. Ich hoffe sehr, dass ein paar Juristen ihren Kollegen auf gut deutsch den Marsch blasen. Ebenso unverständlich ist mir, dass die Eintragung die Hürden der Prüfung durch das Patentamt genommen hat. Mir wurde schon bei Wortbildungen die Eintragung behördlicherseits – und ich spreche nicht von Widerspruchsverfahren! – versagt, die offensichtlich neu und auch nicht phonetisch ähnlich waren, die ich erst durch seitenweise Schreibereien (einmal habe ich mehrere hundert Seiten mit Wortuntersuchungen benötigt, um eine Wortmarke eingetragen zu bekommen) eingetragen bekommen habe und hier wird einfach so ein Wort aus dem Duden als Wortmarke eingetragen.

Sollte ich einmal in Hof zu Besuch sein, dann werde ich einen großen Bogen um den „Hofgarten“ machen. Dies ist das gastronomische Unternehmen, bei dem der Abmahner als Geschäftsführer tätig ist. Wie der blanke Hohn klingt auch der Slogan: „Hofs sympathischer Biergarten“. Nein, lieber Herr Blank, sympathisch kann ich Sie nach dieser Abmahnsauerei nicht mehr finden. Sie wissen, warum es das Instrument der Abmahnung gibt? Ja? Dann erklären Sie mir doch einmal, in wiefern Sie in Hof durch eine Weltuntergangsparty in München, Bonn, Köln, Berlin oder sonstwo wettbewerbsrechtlich gestört oder behindert wurden? Entweder Sie gönnen Ihren Gastronomiekollegen nicht die Butter aufs Brot, oder aber Sie haben sich nach Ihrer Idee mit der Warenzeichenanmeldung in Erwartung des Zahltages wochenlang vergnügt auf die Schenkel geklopft.

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

03. Januar 2013 von Andreas Frank
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