Amazon ist eine Bank mit angeschlossenem Buchhandel

Der Wirbel um Amazon geht in zwei weitere Runden.

Heute hat das Bundeskartellamt angekündigt, das Marketplace-Modell von Amazon zu überprüfen. Konkret geht es um die Preisparitätsklausel. Diese ist Vertragsbestandteil für alle externen Händler. Wer nicht damit einverstanden ist, dass er die von ihm angebotenen Artikel in keinem anderen Absatzkanal günstiger als auf Amazon anbieten darf, dem bleibt der Zutritt zum Amazon-Marktplatz verwehrt.

Die Problematik der Amazon-Preisparitätsklausel betrifft mich als Autor und Verleger nicht. Das unsäglich dumme absurde Gesetz der Buchpreisbindung verhindert es sowieso, dass man auch als Verlag seine Preise den Marktgegebenheiten anpassen kann.

Ein weiterer Sturm der Entrüstung gegen Amazon wurde durch zwei Verlage ausgelöst. Der VAT Verlag André Thiele und der Ch. Schroer Literaturverlag haben ihre Geschäftsbeziehungen mit Amazon gekündigt und dies jeweils in offenen Briefen publik gemacht.

Christopher Schroer begründet seine Kündigung mit den Worten „(…) Seit Jahren ist es uns als Verlag ein Dorn im Auge, dass Sie an kleine Zulieferer wie uns überzogene Rabattforderungen von 55% stellen. (…)“.

André Thiele ergänzt das noch um die Punkte „(…) zzgl. Portokosten, zzgl. Jahresmitgliedsgebühr, zzgl. nahezu jedesmal für mich nicht nachvollziehbare zusätzliche Abzüge bei der verbleibenden Summe.“.

Das ist die Realität, mit der auch ich als Verleger meiner eigenen Bücher bei Amazon zu kämpfen habe. Vom Netto-Verkaufspreis auf Amazon gehen die genannten 55% Provision ab. Dann erfährt man zu Beginn eines Monats von Amazon, was man ihnen in Rechnung stellen darf. Diese Rechnung geht dann nach England und wird irgendwann einmal bearbeitet. Wenn man viel Glück hat, dann erhält man zwei Monate später sein Geld überwiesen. Öfter ist es aber auch der Fall, dass Rechnungen nicht bearbeitet werden. Entweder sind sie angeblich nicht eingegangen, oder aber man hätte einen Formfehler gemacht. Selbstredend, dass man über so etwas von Amazon nicht informiert wird. Auch wird man nicht darüber informiert, wenn man für längst vergangene und bereits abgerechnet Monate eine Nachberechnung stellen kann. Es sind also permanent und zeitaufwändig die Abrechnungen von den letzten Jahren zu kontrollieren. Warum erhält man nicht vom System automatisch generierte Meldungen?

Dafür, dass man dies alles treu ergeben akzeptiert, werden dann bei der Bezahlung auch noch 2% Skonto abgezogen. Von dem dann verbleibenden Rest muss ich neben den von Herrn Thiele angeführten Kosten für den Transport ins Amazon-Lager und der Jahresgebühr – dass einen Amazon gnädigerweise als Lieferant listet – natürlich auch noch die Druckkosten für das Buch bezahlen. Ach ja, ein Autorenhonorar sollte auch noch mit einkalkuliert sein.

Machen wir uns nichts vor, Amazon ist kein Buchhändler. Das ist eine Bank mit angeschlossenem Onlineshop.

Die von Amazon diktierten Konditionen für Kleinverleger sind hart. Man kann es den Bilanzen entnehmen, Amazon verdient sehr ordentlich Geld.

Aber kann ich daraus derart große Vorwürfe ableiten, die mich ebenfalls zu der Konsequenz der Kündigung führen? Nein!

Viele Jahre habe ich mich wegen der hohen Provision an Amazon dagegen gewehrt, meine Bücher über Amazon zu verkaufen. Diese Haltung änderte ich erstmals bei meinem Buch „Appkalkulator – wie viel kostet die Entwicklung von Apps“. Das Buch wurde ein sehr großer Erfolg – und einen gewichtigen Anteil daran hatte die Verfügbarkeit des Titels bei Amazon.

Wie läuft es denn heute mit dem Buchkauf? Man liest oder hört von einem interessanten Buch, geht zu Amazon – oft sogar per App auf dem Smartphone – bestellt und hat es einen Tag später im Briefkasten. Suchen, finden, bestellen, bezahlen – alles bequem in nicht einmal einer Minute. Käuferherz, was willst Du mehr?

Man kann Provisionen von 57% plus allerlei zusätzlicher Kosten verteufeln, aber man muss auch neidlos anerkennen, Amazon ist für den Buchkunden perfekt. Daraus erwachsen sich auch Vorteile für Autoren und Verlage – die Reichweite und Präsenz in den Köpfen der Interessenten ist derart hoch, dass auch ordentliche Stückzahlen verkauft werden. Man kann es sich meiner Überzeugung nach als Verlag einfach nicht leisten, seine Produkte nicht auf Amazon anzubieten.

Vom Himmel gefallen ist diese Marktmacht nicht. Amazon hat sich das mit viel Aufwand, harter Arbeit und sehr innovativen Ideen erarbeitet. Es ist etwas in Vergessenheit geraten, dass viele neue Wege im eCommerce erstmals von Amazon beschritten wurden. Dass sich Amazon dies nun von uns Verlagen teuer bezahlen lässt – ich glaube, das nennt man Marktwirtschaft.

Amazon zwingt mich nicht, dass ich meine Bücher bei ihnen verkaufe. Aber ich mache dies – trotz meiner Meinung nach berechtigter Kritik in Einzelpunkten der Zusammenarbeit – sehr gerne! Nicht zuletzt auch im Interesse meiner Leser und Kunden.

Den Schritt der oben genannten Kollegen finde ich mutig. Sehr mutig. Und deshalb wünsche ich ihnen von ganzem Herzen, dass er nicht zum Bumerang wird.

Wenn Sie mir etwas Gutes tun wollen, dann kaufen Sie meine Bücher. Im Buchhandel, bei Amazon – egal wo. Sehr gerne natürlich direkt im WerbeCheck-Shop.

VN:F [1.9.22_1171]
Bitte bewerten Sie diesen Beitrag:
Rating: 5.0/5 (16 votes cast)
Amazon ist eine Bank mit angeschlossenem Buchhandel, 5.0 out of 5 based on 16 ratings

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

20. Februar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Persönliches | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Amazon verhält sich letztendlich legal. Lassen wir mal die Moral außen vor. Ich habe auch schon das bequeme Bücherbestellen bei Amazon genossen, werde dies aber in Zukunft nicht mehr tun. Gehe wieder in die Buchhandlung um die Ecke (ja, in der Nähe ist tatsächlich noch eine – drei Kilometer). Selber habe ich als Verkäufer auf Amazon schnell aufgegeben, einige gut zu verkaufende Waren (z.B. bestimmte Chilisaucen) durfte man nicht anbieten (war Amazon vorbehalten), die Abrechnungen störten mich ebenfalls, ich konzentrierte mich lieber auf unseren eigenen kleinen Shop.
    In einigen Diskussionen steht aber jetzt der gesamte Onlinevertrieb am Pranger, als ob dort nur so gearbeitet werden würde wie bei Amazon. Die meisten Shops sind doch kleine Firmen, die überhaupt nichts mit diesen Machenschaften der Großen zu tun haben.