Blinkist.com – fairer Partner oder Trittbrettfahrer?

Eines vorweg und in aller Deutlichkeit: wer geistiges Eigentum anderer Urheber nutzen und davon profitieren möchte, der hat die Pflicht, den Urheber um Erlaubnis zu fragen und ihm für diese Nutzung einen gerechten Anteil zu überlassen. Ohne Wenn und Aber. Ohne Einwilligung keine Nutzung – alles andere ist Diebstahl!

Was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist nicht zuletzt durch die von der Piraten-Partei ins Spiel gebrachte Diskussion, dass geistiges Eigentum für Jedermann frei verfügbar sein sollte, etwas ins Abseits geraten. Wir regen uns darüber auf, dass Leiharbeiter schlecht bezahlt werden, wir engagieren uns dafür, dass sich Lebens- und Arbeitsbedingungen weltweit verbessern, aber ob Kreative von den Früchten ihrer Arbeit leben können, das scheint in Zeiten der Mitnahmementalität viele Konsumenten nicht zu interessieren.

An alle die dafür eintreten, dass geistiges Eigentum für alle frei verfügbar sein sollte, hier meine Fragen: sind Sie bereit, Ihre Arbeitsleistung gratis zu erbringen, oder erwarten Sie von Ihrem Arbeitgeber, dass er Ihnen jeden Monat ein Gehalt auf Ihr Konto überweist? Dürfen Sie im Supermarkt einfach so Ihre „Einkäufe“ ohne zu bezahlen aus dem Laden tragen? Nein? Dann lassen Sie sich gesagt sein, auch Dinge die Sie nicht physikalisch anfassen können, werden erarbeitet. Und diese Erarbeitung ist genauso wertvoll wie das, was Sie täglich erarbeiten.

Ob ein Urheber seine Arbeitsleistung gegen ein Entgelt oder gratis verfügbar machen möchte – das ist seine alleinige Entscheidung!

Niemand hat das Recht, über fremdes Eigentum zu bestimmen! Dies ist ein elementares Grundrecht, Sie könnnen es in unserem Grundgesetz nachlesen, §14. Auch auf europäischer Ebene ist es dies in Artikel 17 der EU-Grundrechtecharta geregelt.

 

In Berlin startete die Tage unter dem Dach des Telekom-Inkubator hub:raum das Projekt Blinkist.com

Mit „So viele Bücher. So wenig Zeit.“ nimmt sich dieses Startup einer alltäglichen Problematik an. Laufend begegnen einem interessante Neuveröffentlichungen, aber man findet kaum die Zeit, diese Bücher alle zu lesen.

Eine Lösung dafür gibt es schon seit über zehn Jahren. Sehr erfolgreich bietet getAbstract Zusammenfassungen von Büchern an. Im Grunde ist es verwunderlich, dass es dann doch so viele Jahre gedauert hat, bis das Geschäftsmodell kopiert oder zumindest in Teilen nachgeahmt wird. Ob jedoch Blinkist.com bei dem hohen Qualitätsniveau von getAbstract mithalten kann, das wird sich weisen. Ich habe die App installiert und mir drei Zusammenfassungen von Büchern herunter geladen, die ich in der „Vollversion“ gelesen habe. Vom Hocker gerissen haben  mich die Extrakte nicht, aber das kann sich ja noch entwickeln. Erst einmal kein Punkt, um dem Startup seine Existenzberechtigung abzusprechen.

Blinkist.com besorgt sich kauft Bücher, fasst diese zusammen und verkauft dann diese Leistung wiederum an ihre Kunden. Blinkist.com beschreibt seine Leistung mit den Worten „Blinkist bringt das Wissen aus Sachbüchern in einem neuen Format – blinks – auf den Punkt.“.

Nirgendwo auf der Seite oder in der App habe ich jedoch einen Hinweis gefunden, in wiefern die Autoren und Verlage in dieses Projekt eingebunden werden.

Sollte es tatsächlich so sein, dass Blinkist.com das geistige Eigentum Dritter monetarisiert, ohne den Urhebern einen Anteil der Erlöse zu überlassen? Dann wäre dies meiner Meinung nach ganz klarer Diebstahl! Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass ein von der Telekom finanziell unterstütztes Startup mit solchen Methoden agiert.

Und sollte eine Rechtfertigung für eine eventuell nicht autorisierte Nutzung sein, dass man doch den Autoren und Verlagen etwas Gutes tut, da man mit den Besprechungen den Weg für den Verkauf bereitet, dann muss ich sagen, dem steht diese Aussage klar entgegen: „Statt auf 200 Seiten findest du das Wichtigste je Buch in rund 10 blinks.“.

Wenn Blinkist das Wichtigste aus einem Buch liefert, wie viele Kunden werden dann noch das komplette Werk kaufen?

Der Autor hat also seine Arbeit erbracht und Blinkist heimst dafür den Lohn – sprich den finanziellen Erlös – ein.

Ich habe sowohl Blinkist.com, als auch deren Presseagentur angeschrieben und um Auskunft gebeten. Auf eine Antwort warte ich noch.

Ebenso habe ich getAbstract gefragt, in wiefern hier die Autoren und Verlage eingebunden und am Erlös beteiligt sind. Innerhalb weniger Minuten kam die sehr zufriedenstellende Antwort: auf getAbstract wird kein Buch besprochen, ohne dass es eine Vereinbarung mit dem Rechteinhaber gibt.

Noch bin ich guter Hoffnung, dass Blinkist.com die geistige Leistung der Autoren würdigt und gerecht entlohnt.

Sollte dies nicht der Fall sein, so teile ich dem Startup hiermit vorsorglich schon mal mit: Finger weg von meinen Büchern, Finger weg von meinem geistigen Eigentum!

 

Ein Nachtrag:

Ich habe meine Fragen auch versucht auf Deutsche-Startups.de zu stellen. Holger Seim von Blinkist.com reagierte dort auf andere Kommentare und so erhoffte ich mir über diesen Kanal eine Antwort. Dies vor allem deshalb, da weder  meine Mail an Blinkist direkt, noch die an deren PR-Agentur, bisher beantwortet wurde.

Üblicherweise werden Kommentare auf Deutsche-Startups.de sehr schnell frei geschaltet. Mein heutiger Beitrag jedoch gar nicht. Dazu muss man zwei Dinge wissen: sowohl Deutsche-Startups.de, als auch Blinkist.com werden aus dem Umfeld der Telekom unterstützt. Sollte es etwa sein, dass man seinem „Bruder“ ein paar kritische Fragen zum Geschäftsmodell ersparen möchte? Oder ist es Herr Panknin, der nicht möchte, dass die Frage gestellt wird. Herr Panknin ist der Redakteur des Artikels und ich habe ihn neulich in dem Beitrag über den Fall Jonen vs. Fitness SF für seinen sehr unbedachten Facebook-Kommentar gerügt.

 

Nachtrag II:

Der Kommentar auf Deutsche-Startups.de wurde nun veröffentlicht und die Fragen werden in Kürze beantwortet – ich bin schon sehr gespannt und würde mich freuen, wenn das Geschäftsmodell von Blinkist eine faire Beteiligung der Autoren vorsieht.

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

18. Februar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Startups | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Hallo Andreas,

    Wir haben deine Fragen sowohl per Mail, als auch auf Deutsche-Startups beantwortet. Entschuldige bitte die Zeitverzoegerung. Wir sind ein Startup mit begrenzten Personal-Ressourcen, daher kann eine Reaktion schonmal mehrere Stunden auf sich warten lassen.

    Wir beantworten aber alle Anfragen grundsätzlich innerhalb von 24h, wenn wir rechtzeitig auf sie stoßen.

    Viele Gruesse,
    Holger

  2. Sehr geehrter Herr Frank,

    „Üblicherweise werden Kommentare auf Deutsche-Startups.de sehr schnell frei geschaltet. Mein heutiger Beitrag jedoch gar nicht.“
    Wie Ihnen der Chefredakteur von Deutsche Startups antwortete, war Ihr Kommentar als Spam gekennzeichnet worden.

    Dazu muss man zwei Dinge wissen: sowohl Deutsche-Startups.de, als auch Blinkist.com werden aus dem Umfeld der Telekom unterstützt. Sollte es etwa sein, dass man seinem “Bruder” ein paar kritische Fragen zum Geschäftsmodell ersparen möchte?

    „Oder ist es Herr Panknin, der nicht möchte, dass die Frage gestellt wird. Herr Panknin ist der Redakteur des Artikels und ich habe ihn neulich in dem Beitrag über den Fall Jonen vs. Fitness SF für seinen sehr unbedachten Facebook-Kommentar gerügt.“
    Wo Sie gerade von „unbedachten“ Kommentaren/Handlungen“ schreiben, möchte ich Sie bitten den oben zitierten selbst noch einmal zu lesen.

    Zunächst mal steht es Ihnen in keinster Weise zu irgendwen zu „rügen“. Darüber hinaus hätten Sie Ihre Blogleser auch darüber informieren sollen, dass Sie zum Chefredakteur von Deutsche Start-ups petzen gegangen sind, wie ein unreifer Penäler. Anstatt mich persönlich anzuschreiben, haben Sie bei einer externen Person über mich vom Leder gezogen. Wer hier, zumindest in Sachen sozialem Verhalten, eindeutig Nachhilfe braucht, sind Sie, Herr Frank.

    Was Ihren angeblich gelöschten oder zurückgehaltenen Kommentar in Sachen blinkist angeht, bezichtigen Sie mich indirekt der Zensur. Es werden bei Deutsche Start-ups keine Kommentare gelöscht, weil sie möglicherweise unbequem sein könnten. Nur, weil Sie ein urheberrechtliches Problem in blinkists Konzept sehen, hat sich noch lange nicht die Welt gegen Sie verschworen.

    Eine Bitte habe ich noch: Falls Sie sich wieder bei Dritten über mich beschweren sollten, setzen Sie mich doch wenigstens in CC. Obwohl, wenn ich es mir richtig überlege, setzen Sie mich, um Himmels Willen, NICHT in CC.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thorsten Panknin

    • Ach lieber Herr Panknin,

      das scheint Sie nun sehr getroffen zu haben.

      Dass bei Deutsche-Startups.de alles korrekt läuft hatte ich erwartet und gehofft. Schön, dass ich diesem Medium auch weiterhin vertrauen kann.

      Bleibt nur doch die nun schon mehrfach von Dritten geübte Kritik, dass offensichtlich lancierte Pressetexte von Ihnen auch als solche gekennzeichnet werden sollten. Stichwort: „DieDruckerei.de“. Es gibt hierzu einen sehr schönen Artikel, den ich Ihnen ans Herz legen möchte: http://url9.de/xQu

      Noch zwei schnelle Anmerkungen: etwas „rügen“ steht mir entgegen Ihrer Ansicht sehr wohl zu. Machen Sie sich etwas mit dem Grundgesetz vertraut.
      Und, ich könnte Sie in CC setzen; muss dies aber nicht. Wenn ich den Herausgeber direkt kontaktiere, dann hat das schon seine Bewandnis.

      Ich wünsche Ihnen noch einen entspannten Tag,
      Andreas Frank