Blinkist.com und das Problem mit den Urheberrechten

Verwundert darüber, dass ich auf den Seiten von Blinkist.com keinerlei Hinweis gefunden habe, in wieweit die ursprünglichen Autoren an den als blinks verkauften Zusammenfassungen profitieren, habe ich um Beantwortung folgender Frage gebeten:

„In welchem Maße profitiert ein Autor bzw. der Verlag von einer Veröffentlichung des Buches bei Blinkist?“

Hier die Stellungnahme von Sebastian Rumberg, Blinks Labs GmbH:

„Bisher profitieren Autoren oder Verlage noch nicht direkt von unserem Angebot, da es sich bei unseren blinks um eigenständige Werke handelt, die keine Sätze oder Passagen des Originalwerks enthalten. Wir führen aber bereits Gespräche mit einigen Verlagen mit dem Ziel einer engeren Zusammenarbeit.“

Was für eine schöne Antwort, deshalb gleich nochmals: „(…) da es sich bei unseren blinks um eigenständige Werke handelt (…).“

Liebes Blinkist-Team, Ihr bezeichnet also Eure Zusammenfassungen tatsächlich als eigenes Werk? Da verschlägt es einem glatt die Sprache.

Das, was der Autor erarbeitet, überlegt, gedacht, erfunden, recherchiert hat, seine ureigene persönliche geistige Leistung wird von Euch in den Mixer geworfen, stark verkürzt dargestellt und dann monetarisiert.

Wie könnt Ihr hier von einem eigenen Werk sprechen?

Die Zusammenfassungen mögen von Euch formuliert sein, aber sämtliche Inhalte wurden doch von den Autoren übernommen. Ihr schreibt doch selbst, dass der Leser mit Euren blinks alle relevanten und wichtigen Inhalte des Buches erhält. Also, wo bitteschön ist Euer eigenes Werk?

Die gesamte ursprüngliche Arbeit wurde vom Autor erbracht. Dieser partizipiert aber in keinster Weise von der Nutzung seines Eigentums.

Bei Euren blings steckt keinerlei eigene Schöpfungstiefe dahinter! Ohne Zustimmung der Rechteinhaber sind das meiner Meinung nach stark verkürzte Raubkopien, die Ihr da verkauft!

Auf Deutsche-Startups.de antwortetet Blinkist, es gebe doch keinen Grund für Aufregung. Wenn jedoch ein Geschäftsmodell von Anfang an auf Missachtung von Urheberrechten basiert, dann ist das sehr wohl ein Grund für Aufregung.

Weiter wird geantwortet „Auch Sachbücher greifen meist auf Konzepte und Gedanken anderer zurück, stellen diese aber in neuer Form zusammen oder interpretieren diese neu. Wir verletzen daher natürlich kein Urheberrecht.“

Eurer Meinung nach gibt es nichts Neues im Bereich Sachbücher und jeder schreibt einfach munter ab.  Neue Ideen und Ansätze Fehlanzeige? Eventuell lest Ihr die falschen Sachbücher!

Teilt doch den Autoren der diversen Sachbuchbestseller – die Ihr verblinkst – einmal mit, dass sie ja im Grunde kein neues Werk erschaffen, sondern lediglich altbekanntes Wissen neu zusammen gewürfelt haben. Viel Spaß beim Gegenwind. Eure Aussage beinhaltet ja auch, dass es angeblich fast nur noch Plagiate gibt. Denn das wären die Veröffentlichungen bei der von Euch geschilderten Vorgehensweise. Mit dieser Aussage diskreditiert Ihr den größten Teil der Sachbuchautorenschaft! Eventuell kommt Ihr zu solch einer Aussage, da Ihr auf dieser Basis Eure Semester- und Diplomarbeiten geschrieben habt? Ich weiß es nicht und will es nicht hoffen, aber Eure Argumentation läßt tief blicken.

Deshalb: doch liebes Blinkist-Team, Ihr verletzt für mein Dafürhalten mit Eurem derzeitigen Geschäftsmodell leider die Rechte der Autoren!

Im Weiteren antwortet mir Sebastian Rumberg „Darüber hinaus sammeln wir seit dem Start unserer App vor vier Wochen viel Rückmeldung von unseren Nutzern und hören häufig, dass unsere blinks Lust auf mehr machen. Daher ist zum Beispiel ein direkter Link zum Buchkauf am Ende unserer Zusammenfassungen denkbar, mit dem wir dann Umsätze für Verlage und Autoren generieren.“

Kann sein, kann nicht sein. Aber unabhängig davon bleibt es jedem Autor selbst überlassen, ob er Eure „Marketingunterstützung“ in Anspruch nehmen möchte, oder nicht. Ihr müsst den Rechteinhaber fragen, ob er sich auf das Spiel der Hoffnung auf Synergieeffekte einlassen möchte. Wenn ein Autor mitmachen möchte, prima. Eventuell ist ihm ja aber der mögliche Kannibalisierungseffekt zu groß und er sieht die Gefahr, dass seine Werke in abstrahierter Form konsumiert werden und dann kein Kauf der Vollversion erfolgt.

Dies zu entscheiden ist nicht Eure Sache, Ihr seid nicht die Rechteinhaber! Ihr könnt versuchen, die Autoren mit Argumenten zu überzeugen, nicht aber ungefragt agieren und dann in den Raum stellen, dass es eventuell und irgendwann einmal eine Lösung der Verlinkung zum vollständigen Buch gibt und er doch ein paar Brotkrumen abbekommt.

Ich finde Blinkist vom Prinzip her klasse. Allerdings ist mir die Art der Durchführung ein großer Dorn im Auge. Wer die Wertschöpfung, also das Eigentum Dritter, ohne Erlaubnis verwendet, der kann von mir kein Lob erwarten.

Es wird Euch ob der Euphorie über Eure Geschäftsidee schwer fallen, aber versetzt Euch einmal in die Lage der Gegenseite. Ihr seid also Autor, Ihr kämpft für, mit und gegen Euer neues Buch, Ihr geht mit dem Buch gedanklich ins Bett, Ihr steht damit auf. Monatelang beschäftigt Euch nur ein Thema – und dann kommen ein paar Jungs daher, fassen dieses Buch schnell mal auf zehn blings zusammen, behalten den kompletten Erlös für sich und behaupten dann noch ganz frech, das sei ihr eigenes Werk und sowieso sei das doch eh alles irgendwo zusammengetragen und zusammenkopiert. Bekommt Ihr liebes Blinkist-Team nun ein klein wenig ein Gespür dafür, dass das alles nicht so rechtens und ehrenwert ist, was Ihr da macht?

Es ist mir auch unverständlich, warum Ihr nicht von Beginn an den geradlinigen Weg geht: Autoren und Verlage auf einer fairen Basis einbinden, die Rechte für die Veröffentlichung der Zusammenfassung einholen und einen Teil der Erlöse an die Rechteinhaber ausschütten. Dann noch nach jedem blinks einen Link in einen Buchshop setzen und alle sind glücklich.

Es könnte so einfach sein – dafür muss man aber als Basis das Eigentum Dritter respektieren und ehrlich anerkennen, wer welche Leistung in der Kette erbringt.

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

19. Februar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Startups | Kommentare deaktiviert für Blinkist.com und das Problem mit den Urheberrechten