Braucht Carzapp eine Banklizenz?

Auf Seedmatch.de besteht derzeit die Möglichkeit, sich mittels Crowdinvesting an der Carsharing-Plattform Carzapp zu beteiligen.

„In Deutschland stehen täglich 40 Mio. Autos im Schnitt für 23 Stunden ungenutzt herum. Carzapp hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, den PKW-Bestand auf unseren Straßen deutlich effizienter zu nutzen.“.

Soweit, so gut. Eine sympathische Idee, von der ich überzeugt bin, dass sie allen Beteiligten einen Nutzen bringt und gerade in Ballungszentren erfolgreich sein kann.

Von Luft und Liebe wird niemand satt. Deshalb ist ein KO-Kriterium wichtiger Punkt in dem Carzapp-Modell, wie denn die privaten Autovermieter an ihr Geld kommen.

Diese Frage hat auf Seedmatch auch ein potentieller Investor gestellt und von Carzapp zur Antwort bekommen: „Wir ziehen die Mietgebühr am Ende des Mietvorgangs komplett vom Mieter per Lastschrift, Kreditkarte oder Paypal ein. Dann leiten wir die entsprechenden Anteile an Vermieter und Versicherung weiter.“.

Es werden vom Plattformbetreiber Gelder eingesammelt und dann verteilt? Da schrillen bei mir diverse Alarmglocken: Braucht Carzapp denn dann nicht eine Banklizenz?

Hier habe ich mich zu der Problematik schon einmal ausführlich geäußert. In Kurzform besagen die Gesetze, wer geschäftsmässig Zahlungen abwickelt und dafür bezahlt wird, dass er Geld für Endkunden auf Konten vorhält, muss gemäß § 8 ZAG von der BaFin eine Banklizenz erteilt bekommen. Und wenn ich es richtig verstanden habe, dann tut dies Carzapp.

Die Einsammlung und Verteilung der Gelder ist ein elementarer Punkt in dem Carzapp-Geschäftsmodell. Kein Autobesitzer wird auf die Idee kommen, sein Fahrzeug zur Vermietung anzubieten, wenn er sich selbst um das Forderungsmanagament kümmern, der Plattform eine Provision und den Versicherungsbeitrag für jede Vermietung eigenhändig überweisen muss. Zumal es fraglich scheint, ob es überhaupt eine Versicherung gibt, die sich auf solche kleinteilige Geschäftsprozesse einläßt.

Das Carzapp-Modell gefällt mir. Die BaFin-Meinung halte ich für weltfremd. Aber wenn die Gesetze derzeit so sind, dann müssen sie nunmal beachtet werden. Deshalb stellte ich via Seedmatch meine Frage bezüglich einer eventuell bereits vorgenommenen Prüfung durch die BaFin. Viele Fragen anderer Interessenten wurden zwischenzeitlich beantwortet, meine nicht.

Entweder ist Carzapp das Thema schlichtweg unbekannt, sitzen die Rechtsanwälte noch über der Beantwortung, oder aber man möchte keine schlafenden Hunde wecken. Auf BaFin und auf Investorenseite. Vor einer rechtlich wasserdichten Klärung dieses Punktes halte ich es jedoch für riskant, in das Startup zu investieren. Schnell kann es passieren, dass durch die BaFin eine Säule des Geschäftsmodells wegbricht und eine anderweitige Lösung gefunden werden muss. Ob diese dann auch finanzierbar und praxistauglich ist?

Nachtrag:

In der Zwischenzeit habe ich von Carzapp eine Antwort auf meine Frage bekommen – vielen Dank dafür!

Carzapp hat das Thema auf dem Schirm und sie haben eine Lösung. Darüber möchten sie allerdings nicht öffentlich berichten, da dies wettbewerbsrelevant ist. Dies respektiere ich und bin auf die weitere Entwicklung gespannt. Denn eines ist klar, es wird irgendwann kommuniziert und diskutiert werden müssen, wie sich solche Plattformen BaFin-konform verhalten können.

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

11. März 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Crowdinvesting, Startups | Kommentare deaktiviert für Braucht Carzapp eine Banklizenz?