Startups im Gespräch: fromAtoB.de bzw. verkehrsmittelvergleich.de

 

DeinBus.de kämpfte und sorgte dafür, dass ein unsinniger Monopolschutz aus dem Jahre 1934 endlich der Vergangenheit angehört.

Christian Janisch, Alexander Kuhr und Ingo Mayr-Knoch gingen ein hohes Risiko ein. Ihrem Engagement und Durchhaltevermögen ist es zu verdanken, dass das Bundeskabinett grünes Licht für den innerdeutschen Linienverkehr mit Bussen gab.

Kaum daß die Deutsche Bahn im juristischen Tauziehen unterlag, entwickelte sich sehr rasch ein großes Angebot an Buslinien. Kein Wunder, prognostizieren die deutschen Busunternehmer doch hier ein jährliches Umsatzvolumen zwischen 300 und 650 Millionen Euro.

Interessant oder schäbig – so kann man auch das Verhalten einiger finanzstarker Marktteilnehmer bezeichnen. Das kleine Startup den Kampf ausfechten lassen, der im Negativfall auch die Insolvenz hätte bedeuten können und dann, wenn der Bär erlegt ist und es um die Fellverteilung geht, seine ganze Macht ausspielen.

Wenn es doch für die Deutsche Post und den ADAC so interessant ist, ein Fernbusangebot anzubieten, warum haben sie dann nicht selbst diese juristische Herausforderung angenommen? Oder zumindest die Kämpfer mit finanziellen Mitteln und juristischer Power unterstützt? Schön in Deckung bleiben und abwarten, wie sich die Schlacht entwickelt – das ist feige. Oder eben schäbig.

 

Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Fernbuslinien bereits auf fast 200 gestiegen und zahlreiche weitere werden folgen.

Viele Strecken, zahlreiche Anbieter – was liegt da näher, als ein Vergleichs- und Suchportal ins Netz zu stellen.

Die Idee ist leicht, die Umsetzung umso schwieriger. Im Bereich der Flugreisen gibt es seit Jahrzehnten gewachsene Systeme wie Amadeus oder Sabre, deren Daten verwendet werden können. Im neuen Segment der Fernbuslinien müssen solche Strukturen erst mühsam und kostenintensiv aufgebaut werden.

Die fromAtoB GmbH aus München bietet Interessenten unter dem etwas sperrigen Namen Verkehrsmittelvergleich.de die Möglichkeit, neben Flug- und Bahnverbindungen, sowie privaten Mitfahrgelegenheiten, auch nach den passenden Buslinien zu suchen. Dass es vom Namen schöner geht, das zeigt der Firmenname. fromAtoB – da steckt für mich als User alles drin, was ich über den Zweck einer Seite wissen muss. Ich möchte von hier nach da reisen und diese Seite zeigt mir, wann ich das mit wem zu welchen Kosten realisieren kann.

Herr Dr. Johannes Graßmann von fromAtoB war so freundlich und hat mir ein paar Fragen zum Startup beantwortet. Vielen Dank dafür!

 

checkmybus.de, online-busticket.de, busliniensuche.de, busticket.de, fernbusse.de, fahrtenfuchs.de, fromatob.de – und damit wird das Ende der Vergleichsportale noch nicht erreicht sein – wie viele dieser Suchmaschinen verträgt der Markt?

Der Mobilitätsmarkt ist riesig und durch die zunehmende Liberalisierung im Bus und Bahnbereich drängen immer mehr Anbieter auf den Markt, so dass ein Vergleich notwendig ist.

Es herrscht momentan Aufbruchstimmung. Ob kleines Studenten Startup, wie busliniensuche.de oder Mobilitätsprojekte wie qixxit.de vom Großkonzern Deutschen Bahn, sehr viele Player versuchen im Markt Fuß zu fassen.

Wie in anderen Bereichen erwarte ich, dass dieser Prozess noch etwas anhalten wird und wir immer wieder neue Player sehen werden. Allerdings kristallisieren sich bereits heute vermutlich erfolgreiche Marktteilnehmer heraus und in 1-2 Jahren wird es zur Konsolidierung kommen.

 

Wo liegen denn die Vorteile für Ihre Kunden, mit welchen Punkten stechen Sie die genannten Wettbewerber aus?

Wir betreiben unter den Marken VerkehrsmittelVergleich und fromAtoB eine multimodale Suchmaschine die alle Verkehrsmittel, wie Bahn, Flugzeug, Fernbus, PKW, Mitfahrgelegenheit und Taxi anbieterübergreifend vergleicht und über die komplette Mobilitätskette miteinander kombiniert. Dabei werden alle relevanten europäischen Transportanbieter (Deutsche Bahn, SNCF, Airberlin etc.) mit in die Suche einbezogen.

Somit ist es Nutzern möglich, die schnellste und günstigste Verbindung von A nach B zu finden. Die Anwendung basiert auf komplexen, selbstlernenden Softwarealgorithmen, spezialisierter Crawling-, Caching- und Routingtechnologie sowie auf 650.000 geokodierten, anbieterspezifischen Haltepunkten. Die meisten Wettbewerber sind auf ein bestimmtes Verkehrsmittel spezialisiert. Das bedeutet, der Nutzer kann nicht generell nach der günstigsten oder schnellsten Verbindung von A nach B suchen, sondern legt sich von vorneherein fest, dass er, wenn er auf busliniensuche.de ist, mit dem Bus fahren möchte.

Unser Ansatz ist es, dem Nutzer unabhängig vom Verkehrsmittel und Anbieter die schnellste und günstigste Verbindung auszugeben. Dabei haben wir im Gegensatz zum Wettbewerb einen echten multimodalen Vergleich. D.h. nicht nur der Vergleich, aber auch die Kombination von verschiedenen Verkehrsmitteln innerhalb einer Strecke von A nach B, bspw. Zug – Flug – Bus.

 

Die juristische Grundlage für den Fernbus-Linienverkehr deutete sich mit dem Fortschritt des Verfahrens um DeinBus.de an. War Ihnen damals schon bewusst, welch Nachfrage durch diese Marktöffnung entstehen wird?

Ja, wenn man sich andere Europäische Länder anschaut, die nicht durch diese Regulierung des Marktes betroffen waren. Hier hat der Fernbus eine ganz anderes Gewicht im gesamten Mobilitätsmarkt.

 

Halten Sie den Fernbus-Linienverkehr tatsächlich für eine dauerhafte Alternative zur Bahn?

Dauerhaft? Ja! Alternative? Nein!

Der Fernbus kann das Angebot der Bahn nicht ersetzen, er stellt vielmehr eine Ergänzung in der gesamten Mobilitätslandschaft dar. Zudem konkurriert der Bus sicher in Teilen mit der Bahn, insbesondere wenn es um den Preis geht. Vielmehr beobachten wir, dass der Bus den Mitfahrgelegenheiten Konkurrenz macht, da sie die sicherere und oft nur unwesentlich teurere Alternative auf der Straße darstellen.

 

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen sich derzeit mit Ihrem Portal und was denken Sie, bei welcher Zahl ist das Team bei einem unveränderten Geschäftsmodell komplett?

Zur Zeit: 40, Sättigung bei: 50.

 

Wie finanzieren Sie sich, Woher stammt das Kapital für Ihr Unternehmen?

Vor Gründung Förderung vom Staat
4 Business Angels (Privatinvestoren)
2 Venture Capital Fonds (Institutionelle Fonds, Risikokapital)

 

Womit verdient Ihre Seite Geld, wie sieht Ihr Business Modell aus?

Provision für verkaufte Tickets und Werbung auf dem Portal.

 

Wie viele Suchanfragen verzeichnen Sie täglich und wie viele Buchungen resultieren daraus? OK, das sind Ihnen eventuell zu viele Interna, dann so rum: mit wie vielen täglichen Suchanfragen und mit welcher Conversionrate sind Sie glücklich gestimmt?

Was ich sagen kann, wir haben monatlich 2,6 Mio Nutzer auf der Seite und sind nach Ltur der zweitgrößte Affiliate der Deutschen Bahn.

 

Stichwort Marketing. Welche Kommunikationskanäle nutzen Sie und in welcher Größenordnung ist das zur Verfügung stehende Budget angesiedelt?

Der Fokus ist auf Kooperationen und Suchmaschinenoptimierung gerichtet, später sind auch andere Kanäle geplant. Das Marketingbudget legen wir nicht offen. Uns steht in Summe aber ein 7-stelliger Betrag zur Verfügung. Siehe dazu auch der Artikel auf Deutsche-Startups.de vom 27.11.2013.

 

Werden Sie im deutschen Markt auch zukünftig mit beiden Adressen fromatob.de und verkehrsmittelvergleich.de agieren?

Ja, weltweit jedoch nur unter fromatob.

 

Ein Jahr in die Zukunft geblickt, wo stehen Sie dann mit Ihrem Portal und wie wird es um die Wettbewerbersituation bestellt sein?

In einem Jahr wollen wir mit unserem Angebot in ganz Europa und ausgewählten weltweiten Märkten vertreten sein. Beim Wettbewerb werden sich die Topplayer heraus kristalisiert haben.

 

Welches Internetprojekt fasziniert Sie – neben Ihren eigenen Aktivitäten – derzeit ganz besonders?

www.bottleworld.de – schöne Nische, starkes Angebot und grad jetzt zu Weihnachten unverzichtbar. 🙂

 

Die Fragen an weitere Portalbetreiber in diesem Segment sind versendet. Besonders spannend werden die verschiedenen Sichtweisen zum Thema Produktvorteil gegenüber den Wettbewerbern sein.

P.S.: Übrigens, Herr Dr. Graßmann, auch wenn Sie es anders beantwortet haben, ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht allzulange dauert und der Name verkehrsmittelvergleich.de wird ins digitale Nirwana geschickt.

Sie brauchen diesen Namen nicht – in fromAtoB steckt alles drin, was einem Marketer gefällt. 🙂

 

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

28. November 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Startups | Kommentare deaktiviert für Startups im Gespräch: fromAtoB.de bzw. verkehrsmittelvergleich.de