Startups im Schnellcheck: www.wedznap.de

Wedznap ist eine App, mit der Hochzeitspaare und deren Gäste die Fotos der Hochzeit verwalten können. Jeder Gast erhält auf der Hochzeit einen Code und kann dann seine eigenen Fotos hochladen und die Fotos der anderen Gäste betrachten. Die allgemein bekannte Bettelei nach der Zusendung der Fotos und die sich daran anschließende mühsame Verteilung per eMail, CD oder als Print fällt weg. Im ersten Gedankengang kein schlechter Service.

 

Wedznap.de berechnet diesen Service mit 99,- €. Wer zum Start schon dabei ist, der kann mit etwas Glück und Entscheidungsfreudigkeit einen der 30 Gratisaccounts ergattern, oder quasi zum Subskriptionspreis von 49,- € buchen.

Leider wird auf der Baustellenseite nichts zu den weiteren Funktionalitäten verraten. Gut vorstellen könnte ich mir, dass aus all den eingesammelten Bildern ein Hochzeitsbuch erstellt wird, welches dann jeder Gast bestellen kann.

Viele weitere nützliche Funktionen sind denkbar:

Ein virtueller Hochzeitsgeschenktisch unter Einbindung der Partnerprogramme verschiedener Onlineshops, Zimmerreservierung für die auswärtigen Gäste, Anfahrtsskizzen, Veröffentlichung des Ablaufplans, wann trifft sich wer, wann und wo ist die standesamtliche Trauung, wann die kirchliche, Fahrgemeinschaften zu den verschiedenen Örtlichkeiten, … auch sind nur für die Gäste und nicht für das Brautpaar einsehbare Räume denkbar, wo sich die Freunde vorab unterhalten können, wer was schenkt oder wer mit wem welche absurden Spiele plant …

All diese Ideen umzusetzen wäre dann jedoch weit weg von der ursprünglichen Idee. Zudem müsste dass App-basierende Modell schwerpunktmäßig auf den Desktop verlagert werden. Die meisten der von mir skizzierten Ideen funktionieren mobil nicht besonders gut und bequem. Da der Initiator jedoch als Appentwickler unterwegs ist, wird er sein Projekt wahrscheinlich lieber in diesem Bereich angesiedelt wissen.

Aber gibt diese Idee, welche sich dem Ankündigungstext nach nur um die Hochzeitfotos kümmert, denn genügend her, um dafür Anhänger zu finden, die 99 € für diesen Service ausgeben? Virtuelle Fotoboxen gibt es im Netz und auch als App jede Menge – wenn auch themenneutral, aber kostenlos.

Ein paar Änderungen:

Ich würde das Geschäftsmodell auf eine Gratisvariante umstellen und die Monetarisierung über Affiliateprogramme bewerkstelligen.

Wenn grob überschlagen nur zehn Hochzeitsgäste ein Fotobuch (üblicher Umfang und Ausstattung) bestellen, dann ist der Erlös aus der Provision schon höher, als die von wedznap vorgesehenen 99 €. Dass dies hervorragend funktioniert, zeigt das Beispiel von memorius.de im Bereich Trauerbücher. Ganz abgesehen davon, welch zahlreichen weiteren Monetarisierungsmöglichkeiten durch Affiliateprogramme in dem Themenbereich Hochzeit noch genutzt werden können. Und bei Null Euro Grundkosten fällt es erheblich leichter, möglichst viele Brautpaare zu überzeugen, diesen Service zu nutzen.

Viele Startups unterschätzen gnadenlos die Marketingkosten!

wedznap hätte mit einer integrierten Fotobuchfunktion ein mächtiges Akquisewerkzeug in der Hand, welches zudem nur sehr wenig direkte Kosten verursachen würde! Erster Ansprechpartner zum Thema Fotografie der Hochzeit ist in aller Regel der örtlich ansässige Fotograf. Dieser ist jedoch im bisher dargestellten Geschäftsmodell ein ganz klarer „Feind“ dieser App – Fotos, die andere machen, nutzen ihm nichts. Aber diese Fotografen zu Freunden machen, das kann der Schlüssel zu einer großen Reichweite sein. Warum soll denn nicht der Fotograf die Gestaltung der Fotobücher übernehmen, seine eigenen Bilder einbinden und zu seinem Honorar noch eine anteilige Provision aus dem Verkauf der Fotobücher erhalten? Oder aber das Honorar kann für das Brautpaar durch Gegenrechnung der Provision reduziert werden. Damit wird ein Anreiz geschaffen, dass der Fotograf bei den vorstellig werdenen Brautpaare eine Empfehlung für wedznap ausspricht. Einen besseren Multiplikator gibt es für dieses Thema nicht. Da kann keine Viralität im Netz, keine Onlinewerbung und kein Besuch von Hochzeitsmessen mithalten. Fotostudios und Hochzeitsfotografen sind leicht recherchierbar. Diese als Partner zu akquirieren, das ist wesentlich einfacher und günstiger, als im großen trüben Teich der Heiratswilligen zu fischen.

Fotos der eigenen Hochzeit von mehreren Fotografen in einem Topf sammeln und der Feiergemeinschaft zentral zugänglich machen – ein gutes Thema, eine gute Idee. Das von wedznap angedachte Preis- und Monetarisierungsmodell würde ich jedoch grundlegend ändern.

Ich bin sehr gespannt, in welche Richtung wedznap geht und wünsche den Machern auf jeden Fall viel Erfolg!

 


VN:F [1.9.22_1171]
Bitte bewerten Sie diesen Beitrag:
Rating: 4.9/5 (19 votes cast)
Startups im Schnellcheck: www.wedznap.de, 4.9 out of 5 based on 19 ratings

Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

27. März 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Startups | Kommentare deaktiviert für Startups im Schnellcheck: www.wedznap.de