Was hat SevenVentures mit Tirendo.de vor?

„Wann kommt das große Händlersterben?“ fragt die Internet World Business in ihrer neuen Ausgabe am kommenden Montag. Beantworten darf diese Frage der „Business-Beirat E-Commerce„.

Sascha van Holt nutzte die Runde, um der Delticom AG als Betreiber von Seiten wie Reifen.de und ReifenDirekt.de dringlichst den Ankauf des Wettbewerbers Tirendo.de zu empfehlen. Ich pflichte van Holt bei, wenn er anmerkt, dass die Delticom-Shops sehr in die Jahre gekommen sind und „auch heute noch aus(sehen) wie 1999“.

Tirendo.de hatte hier wirklich leichtes Spiel, den Platzhirsch in einem noch unterbesetzten Marktsegment mit einem Klon anzugreifen. Ein modernes Shopsystem aufgesetzt, mit ausreichend Geld von Kapitalgebern sich Sebastian Vettel als weltweit funktionierenden Werbeträger eingekauft und der Laden läuft. Zumindest was die Bekanntheit und die Kundenzahlen anbelangt. Ob unterm Strich tatsächlich dabei etwas rauskommt, dies scheint ja derzeit keinen groß zu interessieren. Dass die Tirendo Deutschland GmbH auch von der SevenVentures GmbH unterstützt wird und diese wiederum eine 100prozentige Tochterfirma der ProSiebenSat.1 Media AG ist, war sicher nicht zum Schaden von Tirendo. Üblicherweise engagiert sich SevenVentures bei solchen Startups in Form von Werbezeit und tauscht diese gegen Unternehmensanteile oder gegen Umsatzbeteiligung. Reifen sind ein dankbares Thema, um es mit TV-Präsenz in den Markt zu drücken.

„Wenn ich Delticom wäre, würde ich Tirendo vom Markt wegkaufen so schnell es geht“. Sollte die Beteiligungsform von SevenVentures Media-for-Equity sein, so könnte sich nach diesen Aussagen von van Holt der Ausstieg in naher Zukunft von SevenVentures bei Tirendo andeuten. Denn der Hinweis war ja kein Tipp unter Freunden, sondern eine Empfehlung direkt aus dem Entscheiderumfeld von Tirendo. Sascha van Holt ist Mitglied der Geschäftsführung von SevenVentures.

Bei einer Beteiligung auf Media-for-Revenue-Basis kann der Wink mit dem Zaunpfahl an die Delticom AG auch in die Richtung gedeutet werden, dass man gerne den Online-Reifenhandel weitgehend in den Einflußbereich der Sender SAT.1, ProSieben, kabel eins und sixx bekommen möchte. Bei dem M4R-Modell ist ein Teil der Vergütung umsatzorientiert. Da ist es kein schlechter Schachzug, wenn man sich von seinen eigenen Konkurrenten kaufen läßt, um dann auch von dessen Erlöse zu profitieren.

Eine weitere Option ist sicherlich, dass man durch solch einen Deal bessere Chancen auf einen richtig großen Exit sieht. Eins und eins könnte in diesem Fall tatsächlich mehr als zwei sein. Alle derzeit relevanten Wettbewerber im Online-Reifenhandel unter einem Dach, da werden bei einem Ausstieg – wann und in welcher Form auch immer – ein paar Euro mehr über den Tisch wandern.

Was auch immer die Intention war, van Holt trifft als Mitglied der Geschäftsleitung von SevenVentures sicher nicht mal eben eine unüberlegte Aussage. Und schon gar nicht in einer der meistgelesenen Publikationen der Branche.

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Über Andreas Frank

Andreas Frank liebt echte Innovatoren und ist genervt von Kopierern, die einem alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Kopfschüttelnd liest er täglich die Meldungen von Startups, die angeblich alles revolutionieren aber dabei nicht in der Lage sind, ihre Idee ganzheitlich zu Ende zu denken. Belustigt ist er, wenn die freie Meinungsäußerung mit bösen eMails und der Androhung von Anwaltsschreiben mit den Füßen getreten wird. Merke: auch in der Zeit von bezahlten Blogeinträgen gibt es noch Denker, die sich ihren kritischen Blick nicht verbieten lassen.

18. Januar 2013 von Andreas Frank
Kategorien: Startups | Kommentare deaktiviert für Was hat SevenVentures mit Tirendo.de vor?